Claus-Brunner ihm sein Palituch

Schlesinger über Charlotte Knobloch, die dem Berliner Piraten Gerwald Claus-Brunner allerfinsterste Motive unterstellt, weil dieser einfach nicht das Palästinensertuch ablegen mag:

In aller Kürze ist Claus-Brunner – so er weiterhin das Palituch tragen sollte – aus Sicht von Frau Knobloch:

  • antisemitisch
  • gegen Israel
  • für Gewalt
  • gegen westliche (moderne) Werte

oder zusammengefasst: ein Terrorist.

Denn das sind sie doch, die Palästinenser, nicht wahr Frau Knobloch?

Über den ja gar nicht einmal mehr unterschwelligen Rassismus, den Knoblochs Offener Brief transportiert, würde man seine Hauptaussagen für gesetzt ansehen, möchte ich einstweilen schweigen. Manche Menschen sollte man einfach nicht so ernst nehmen.

Gelegentlich ist berichtet worden  – z.B. hier -, dass Claus-Brunner Knobloch entgegnete mit dem Hinweis, besagtes Tuch habe er bei einem “in der Nähe von Haifa” geschenkt bekommen als er dort als Elektriker  auf Montage gewesen sei. Ob man darüber Näheres in Erfahrung bringen könnte?

Und welche Meta-Botschaft soll Claus-Brunners Auskunft vermitteln? “Ich war auch mal in Israel und hab da Rohre verlegt, also weiß ich, wovon ich rede”? “Ich war auch mal in Israel, und wenn ich dort ein Palituch geschenkt bekomme, ist das ja wohl nicht so schlimm, sondern im Gegenteil total super”? “Israelis sind viel lockerer als wir, die wir lediglich von außen mit Argusaugen auf ihr Land blicken”?

Vielleicht wäre es aber auch einfach nur interessant zu erfahren, ob es sich bei dem, der oder den Schenkenden um einen oder mehrere Menschen jüdisch-israelischer oder palästinensisch-israelischer Herkunft (Palästinenser mit israelischem Pass, davon gibt’s in und um Haifa zahlreiche…) handelt? Kann mir jemand Auskunft erteilen? Fänd ich schon interessant und wesentlich.

Dieser Beitrag wurde unter Debattenkultur, Israel, Israel-Palästina, Nakba, Palästina, Pressewesen, Rassismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Claus-Brunner ihm sein Palituch

  1. Simon von Utrecht schreibt:

    Der Claus-Brunner war 1995 gar nicht in Israel gewesen. Der war ja 1995 noch beim Bund in Lechfeld . Große Schnauze hat der, aber einiges, dass er lieber nicht bekannt haben will. nachzuhaken könnte da interessant werden.

  2. Schlesinger schreibt:

    “Es geht um moralisches Kapital” : Ja, das ist O-Ton Edward Said und war eins seiner zentralen Forderungen – Die Palästinenser müssen ihr Handeln so ausrichten, dass sie “the higher moral ground” besetzen können. Das war – unnötig zu sagen – während der wenigsten Zeit der Fall. Dasselbe gilt für Israel. Da C.B. nun wirklich ein nebensächlicher player ist und Frau K. das weiß darf man wirklich annehmen dass sie ihn benutzt.
    Solange die Moral auf beiden Seiten darniederliegt bleibt eh nur die Deutungshoheit, um Deine rhetorische (?) Frage zu bestätigen. Hier hat Israel seit 1947 die Nase weit vorn. Lesetipp: The Iron Wall, von Avi Shlaim. Er zeigt lückenlos auf wie Israel die Politik des Jabotinsky-Ethos der Iron Wall seit vor der Gründung bis in die heutige Zeit rigoros verfolgt und gleichzeitig die Mär vom bedrohten David und ewig Verfolgten pflegt.

  3. Pingback: Pirat Claus-Brunner ist im Grunde ein Terrorist « Transatlantikblog

  4. Schlesinger schreibt:

    Wenn man mehr über die Motive C.B.s erfahren will könnte das hilfreich sein. Ich vermute allerdings Frau Knobloch ging es gar nicht um die Person C.B. Er ist nur ein Vehikel, mit Hilfe dessen sie ihre Botschaft ans Volk bringen will – daher der offene und nicht etwa private Brief. Daher auch die Aufklärung von ihr, was es mit dem Tuch “in Wirklichkeit” auf sich hat. Dass es keine alleinige Interpretation des Tuches gibt und kaum geben kann schert Frau K. nicht. Es kümmert sie auch nicht, dass die PLO unter Arafat – der das Tuch gewissermassen eingeführt hat – das Existenzrecht Israels anerkannt hat, auch wenn Frau K. das in ihrem Brief wohlweislich unterschlägt und das Gegenteil nahelegt.
    Das Wesentliche am Brief Knoblochs scheint mir daher nicht C.B. zu sein, sondern ihr Wunsch ein kleines verlogenes Stcük Propaganda unters Volk zu streuen.

    • MondoPrinte schreibt:

      Aber wozu diese Propaganda? Welche Art von Deutungshoheit soll hergestellt werden? Ich frage mich das wirklich, und auch dies: Ist dieses Theater nicht Ausdruck für das, was man die Umkehrung der Werte nennen könnte – frei nach Nietzsche? Frau Knobloch – als Angehörige der einen Generation und vom NS ganz anders betroffen als die andere Generation, nämlich die Generation, für die Demokratie eine Selbstverständlichkeit und kein dünnes Eis ist? Und was sagt die eine den anderen, wenn sie ihre Hasbara betreibt? Und warum wird das überhaupt noch ernst genommen? Es geht um die Instandsetzung von Tabus, es geht um Angst, es geht letzten Endes um moralisches Kapital und Deutungshoheit – und es geht darum, wer wen für welche Zwecke benutzen darf – und da sollte man auch C.B. auf dessen Argumentation hin abklopfen.

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