Amira Hass über Gründe und Abgründe von Solidarität

Für die Unermüdlichsten unter uns sicherlich nichts Neues mehr, aber ich finde das, was die israelische Journalistin Amira Hass zu BDS und Palästinasolidarität  zu sagen hat, sehr hilfreich:

You mustn’t make the means of the struggle into a religion. Palestinians used to believe in the armed struggle as a kind of religion. Now they do not. The use of weapons in the second intifada excluded the majority and actually made the occupation worse.

The problem is that Israelis have come to accept the dual life of occupation. They can have parties and gallery openings in Tel Aviv while a few minutes’ drive away water cisterns are destroyed, houses are destroyed, you need a permit to plant a tree, and so on.

Does boycott help? Well, $10 billion of Israeli military expertise (which Israel exports annually) will not be affected by BDS. Campaigns against Ahava, Elbit & Veolia were successful. The campaign against Caterpillar failed.

Boycott also raises the question of hypocrisy. Should we boycott Canada because of what it did to the First Nations *? Do not think of activism as a cult. Think. Ask questions. And by the way, not all Palestinians support BDS. As someone who grew up in a Marxist environment, I say, ‘don’t make a religion of it.’

Bei mir trifft Hass genau ins Schwarze. Solidarität als Religionsersatz – genau das hat mich vor Jahren dazu bewogen, nicht mehr mitzumachen in den entsprechenden propalästinensischen Kontexten. Dieses unerlöste Hinterherhecheln hinter Ereignissen und Entwicklungen, dieses permanente sich-Abhängigmachen von jenen facts on the ground, die man im nächsten Schritt dann mit vollster Inbrunst verurteilte, dieses Angewiesensein auf den schlechten Zustand (Besatzung, Siedlungsbau etc.), damit man auch ja keine andere Frage stellen kann als: “Was können wir tun?” Und dann diese Anmaßungen, die sich ab einem bestimmten Punkt zwangsläufig ergaben. Bestimmte Gesprächspartner auf israelischer bzw. palästinensischer Seite wurden abgelehnt, weil sie ideologisch nicht nutzbar gemacht werden konnten, wohlgemerkt: Es handelte sich dabei oft um die Unermüdlichsten unter jenen, die für Frieden, Gerechtigkeit und eine lebbare Zukunft in Israel und Palästina eintraten.

Solidarität als Religionsersatz, Aktivismus als Selbstgespräch, die Verabsolutierung von bestimmten Strategien und das Beharren auf vermeintlich immer neuen, letzten Endes doch uralten Tabus: Manchmal habe ich den Eindruck: Nahostdebatte und -solidarität, das gibt’s gar nicht.

 

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