Archiv der Kategorie: Palästina

Blut gefroren

In einem Beitrag für die von mir ehemals geschätzte Website Mondoweiss behauptet die aus Gaza stammende Hana Alyaqubi aus Anlass der schlimmen Zustände nach Flut und israelischem Beschuss: Der Gazastreifen sei der einzige Ort, der von aller Welt (vermeintlich) vergessen worden sei. Ich bin nicht sicher, ob dies stimmt. Musste des denn erst wirklich zu dieser Schlagzeile aus dem in Syrien befindlichen, palästinensischen Flüchtlingslager Yarmouk kommen: “Fünf Palästinenser verhungern im belagerten Yarmouk”.

Wer dieses Bild von den Facebookseiten von Occupy Israel und Palestinians in syrian situation ansehen und diese Einschätzung lesen muss:

Meanwhile, 99% of the supposedly ‘pro-Palestinian’ (sic) activists around the world continue to disregard the slaughter and starvation of those in Syria, preferring to stand by the regime responsible for their deaths and suffering.

- dem muss das Blut gefrieren.  Ich für meinen Teil muss gestehen: Ich fühle mich insofern ertappt, als dass ich in Sachen Syrien einfach die Frage unterlassen habe: Was wird denn aus den palästinensischen Flüchtlingen dort? Dabei wären Informationen leicht erhältlich (gewesen). Dass auch die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft zu dem Thema bislang nichts Netzwertiges geäußert hat, ist kein Trost.

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Ilan Halevi R.I.P.

Bild:  Le Nouvel Observateur

Bild: Le Nouvel Observateur

Ha’aretz, Ynet und andere vermelden den Tod von Ilan Halevi (geb. 1943), seines Zeichens eines der wenigen jüdischen Mitglieder der PLO und ehemaliger Berater Yassir Arafats. Er verstarb in einem Pariser Krankenhaus. Und sogleich wartet, wenn man Ynet glauben darf, ihrerseits die palästinensische Delegation in Frankreich mit einer seltsam dämlichen Verlautbarung auf:

His death put an end to 69 years of a life devoted to the Palestinian Authority.

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Siedlergewalt gegen israelische Menschenrechtler

Israelis gegen Israelis – ein Konflikt, der im vorliegenden Fall außerhalb des Kernlandes des Staates Israel ausgetragen wurde, genauer gesagt, auf besetztem Gebiet. Oder: Israelische Juden in der Westbank angegriffen. Wie man es dreht und wendet: die Siedler werden davonkommen. Yossi Gurvitz berichtet von einem Überfall von Siedlern auf drei Mitarbeiter der israelischen Menschenrechtsgruppe Yesh Din, die sich schwerpunktmäßig mit dem Monitoring von Siedlungsaktivitäten beschäftigt, unweit der illegalen Siedlung Havat Gilad. Noch kürzlich plädierte Israels Verteidigungsminister Ya’alon dafür, den Status des besagten Stützpunktes in Richtung Legalität zu verändern. Das Yesh-Din-Team war gerade dabei, sich per Auto von der Siedlung zu entfernen, als drei Siedler die Straße blockierten und das Fahrzeug der drei Aktivisten mutwillig beschädigten.

The Israelis, one of whom was armed, violently attacked the team’s vehicle, broke its windshield and stole its keys. Despite the attack, our team made it back safely to the village of Far’atha, and lodged an official complaint with the police.

Nun geht es darum, ob und inwieweit israelische Sicherheitsorgane die Ermittlungen aufnehmen werden. Doch eine Sache steht für Yossi Gurvitz außer Frage:

the government of Israel is responsible for this violence.

Und er erläutert: Weiterlesen

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Die einen nennen es Rassismus, andere sprechen von Apartheid

De jure sind israelische Palästinenser ihren jüdischen Mitbürgern gleichberechtigt. Die Realität sieht indes anders aus. Der in Nazareth lebende, britische Journalist Jonathan Cook beschreibt hier sehr anschaulich anhand einiger heftiger Beispiele, wie normal es innerhalb der israelischen Gesellschaft zu sein scheint, Palästinenser – und hier sind auch jene mit israelischem Pass gemeint – aufgrund ihrer Herkunft zu benachteiligen. All dies hat demnach Formen erreicht, dass sogar die Regierung Netanyahu es für geboten sah, ihre tiefe Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen, indem von einzelnen Vertretern das Kind einfach mal bei einem seiner zahlreichen Namen genannt wurde:

Government ministers led an outpouring of revulsion. Tzipi Livni, the justice minister, called the incident [üble Vorgänge im Freizeitpark Superland] a “symptom of a sick democracy”. Defence minister Moshe Yaalon was “ashamed”. Prime minister Benjamin Netanyahu demanded that the “racist” policy be halted immediately.

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Israelische Waren und Waren aus israelischen Siedlungen

Ein überfälliger Schritt, man höre und staune, auf Initiative der Grünen:

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen hat das parlamentarische Instrument der Kleinen Anfrage genutzt, um der Bundesregierung kritische Fragen über den Import von Produkten aus den israelischen Siedlungen im Westjordanland und über deren Kennzeichnung hierzulande zu stellen.

Die Kleine Anfrage bezieht sich stark auf den Bericht Handel gegen den Frieden. Wie Europa zur Erhaltung illegaler israelischer Siedlungen beiträgt, den medico zusammen mit 21 weiteren europäischen Organisationen herausgebracht hatte.

So, und nun möchte ich gern wissen – was gibt es dagegen einzuwenden?

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Deir Yassin darf nicht vergessen werden.

Dort wo sich heute der Wstjerusalmer Ortsteil Givat Shaul befindet, in dessen Herz eine Nervenklinik liegt, stand einst das palästinensische Dorf Deir Yassin. Dina Elmuti, NAchfahrin von Opfern jenes Massakers, das von zionistischen Milizen am 9. April 1948 verübt wurde, ermahnt die Nachwelt: “We must never forget the massacre of Deir Yassin.”

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“Zynisch und schlichtweg menschenverachtend.”

Ich finde es ja schade, dass es im Transatlantikblog des hochgeschätzten Schlesinger derzeit nicht die Möglichkeit gibt, als Leser Kommentare zu posten. Der Gute veröffentlicht seine Texte ja noch im Freitag – und mit was für einem Bullshit sich Schlesinger da zuweilen zu befassen hat, ist echt nicht mehr feierlich. Sein aktueller Beitrag über den 20jährigen israelischen Soldaten Mor Ostrovski, der sich nicht entblödet hat, ein Bild von einem palästinensischen Jungen im Fadenkreuz von Ostrovskis Waffe online zu stellen, ist ähnlich empfehlenswert wie etwa der Beitrag zum selben Thema von Emran Feroz. Die Vorwürfe, der sich Schlesinger dann zu erwehren hat, lassen in mir das Verständnis für Schlesingers comment policy wachsen. Nein, ihm wird nicht Antisemitismus vorgeworfen – eher im Gegenteil (sic!). Zudem merke ich, dass ich bislang großes Glück gehabt: Die meisten Kommentare in meinem Blog sind bemerkenswert differenziert und freundlich.

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Es geht nicht um Lapid oder Bennet. Es geht um Qamar.

Während sich die Welt noch die Augen reibt ob des Glanzes, den Israels neue Politstars Naftali Bennett und Yair Lapid verströmen, soll uns das folgende Video, aufgenommen von Aktivisten der Menschenrechtsgruppe Ta’ayush vor Augen führen, um was es im Kern im israelisch-palästinensischen Konflikt geht: Die einen verschaffen sich Zugang zu Ressourcen und tun dies in vollem Bewusstsein auf Kosten der anderen – und mag es sich dabei auch um Kleinstkinder handeln:
Am 19.1. verhafteten israelische “Sicherheitskräfte” in der Nähe von Hebron – man versuche, sich die Visagen dieser Typen einzuprägen, Gott sei Dank, lässt uns das Internet nicht vergessen – die 18 Monate alte Qamar und ihre Mutter Rima Ismail Awad.  Siedler hatten sich der Ländereien und der Olivenhaine der Familie bemächtigt und mussten natürlich nun von diesem antisemitischen Mob beschützt werden.

Welche Gedanken kommen einem bei diesen Bildern? Weiterlesen

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Beeindruckend: Asma Agbarie Zahalka

Wem es wirklich um Gegenwart und Zukunft im Staate und Lande Israel geht, der sollte aufmerken, wenn es um diese Frau geht: Hier ein Wahlkampfspot der Da’am Workers’ Party mit ihrer Spitzenkandidatin Asma Agbaria Zahalka. Weiterlesen

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Hamas… Arschlöcher…

Jaffa (auscillate.com)

Jaffa (auscillate.com)

Dimi Reider meldet auf Facebook:

Hamas rocket apparently hit… Jaffa. Well done, assholes. Weiterlesen

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Kein Duell auf Augenhöhe: “Palästinenser fürchten neuen Krieg”

- schlagzeilt SpOn, so als ob sich mit den palästinensischen Bewohnern des Gazastreifens aka Hamastan und der israelischen Armee zwei Gegner auf Augenhöhe gegenüberstünden. Aber genau diese Lesart soll anscheinend der Mord an Ahmend al-Dschabari, im dazugehörigen Artikel denn auch passenderweise als “Kommandeur” und “Militärchef der  Hamas” genannt, suggerieren. Wie zynisch ist das denn?  Die vermeintliche Vergleichbarkeit zwischen Israel und der Hamas wird dann noch weitergeführt, indem behauptet wird, dass beiden Seiten mit einem “Krieg” nicht gedient sei. Weiterlesen

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The OtherSite – die andere Seite von was?

The OtherSite, so heißt eine Website, die federführend betreut wird von der propalästinensischen Solidaritätsaktivistin Doktorin Gabriele Weber und Simon Köhl. Und wenn ich mir so die Liste der Leute anschaue, von denen auf dieser Website schon so alles Artikel in ein der Site entsprechendes Layout kopiert worden ist, krieg ich schon wieder die Krise: Gilad Atzmon! Lauren Booth! Weiterlesen

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“Criminal justice” in Hamastan

Der jüngste Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beschreibt die Zustände im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen. Dort scheint man sich einiges von den Israelis abgeschaut zu haben. Willkürliche Verhaftungen, Misshandlungen und Folter, ohne dass sog. “Sicherheitskräfte” jemals dafür belangt werden, Gefangene, denen jeder Kontakt zu ihren Angehörigen untersagt wird und die schon gar nicht auf einen Rechtsbeistand hoffen dürfen – irgendwie kommt einem das alles bekannt vor. Hinzu kommen Hinrichtungen, deren Vollstreckung auf Geständnisse und andere Auskünfte beruhen, die mit dem Mittel der Folter erzwungen wurden. Opfer, deren Angehörigen, sowie Vertreter des in Gaza herrschenden Justizapparats kommen in dem 43-seitigen HRW-Bericht zu Wort. Ich wiederhole meine Frage: Was haben die Palästinenser noch zu verlieren?

Abusive System: Failures of Criminal Justice in Gaza (Human Rights Watch)
Dank an 972mag!

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Was haben die Palästinenser noch zu verlieren?

Zu den allerwichtigsten Einsichten im Bereich Nahostsolidarität gehört jene, dass man mit Israelis bzw. Palästinensern solidarisch sein sollte, nicht weil man die einen oder die anderen für besonders edel halte. Genau darin besteht eben die Gefahr: in der Überhöhung jener Gruppe, mit der man sich für solidarisch erklärt – und, damit einhergehend, in der je eigenen Überhöhung. Man schaue sich nur an, was und wer sich momentan so alles mit wem in Solidarität übt: Die finstersten Gestalten pflegen Verbundenheit mit anderen Finsterlingen, und wegen der einen oder der anderen Katastrophe fühlen sich die Herrschaften dabei auch noch moralisch in der Champions League. Weiterlesen

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29. September 2012 · 11:47