Nacheilender Gehorsam. Willi Winkler über „Die Krupps“

In der Süddeutschen erinnert Willi Winkler an „Der Stellvertreter“, dem Stück des mittlerweile ja desavouierten Rolf Hochhuth:

Man mag von Rolf Hochhuth als Schriftsteller halten, was man will, es gehört zu seinen bleibenden Verdiensten, dass er im „Stellvertreter“ (1963) nicht bloß die Trägheit des Herzens von Papst Pius XII. anprangerte, sondern in diesem „christlichen Trauerspiel“ zum ersten Mal von Zwangsarbeitern und deshalb auch von der Rolle der Firma Krupp gesprochen hat. „Da wird halt d’r General von Schulenburg selb’r nach Essen kommen müass’n, damit er si dös beim Herrn von Bohlen verbitt‘, dass, dass die Gefangenen beim Krupp Prügel, ja – Prügel statt’n Erdäpfel krieg’n“, heißt es da anlässlich eines fröhlichen Kegelabends unter SS-Leuten und Nazi-Ministerialen. „Arbeit macht frei“ stand über dem Lagereingang nicht nur in Auschwitz, und Krupp war mit dieser Form der Beschäftigungspolitik keineswegs allein. Zwar befreite die Arbeit die Häftlinge nicht aus dem Konzentrationslager, aber wenigstens machte sie die Besitzer der großen Industriefirmen reich und begründete den Wiederaufstieg der nämlichen Firmen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Krupp wollte verhindern, dass all dies in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerate. Wie der Konzern eigentlich dargestellt werden wollte, wurde ja jüngst durch den ZDF-Dreiteiler „Die Krupps“ – gleichsam im hinterher eilenden Gehorsam – vorgeführt. Mit Iris Berben.

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