Eine „Erklärung“ ist kein Blog-Post…

„Sorgfältiger überarbeiten oder zumindest gegenlesen“ – das sollte man den Autorinnen und Autoren der Erklärung „Schluss mit dem Kesseltreiben gegen Hermann Dierkes der internationalen sozialistischen Linken ins weltberühmte Stammbuch schreiben. Zwar ist es sicherlich eine nicht unehrenhafte Angelegenheit, Hermann Dierkes, Vorsitzender der Ratsfraktion von DIE LINKE in Duisburg, gegen den Vorwurf, Antisemit zu sein, öffentlich in Schutz zu nehmen. Ob es hierzulande wirklich angezeigt ist, der israelischen Wirtschaft mit Handelsboykott zu drohen, sei einmal fürs Erste dahin gestellt. Glauben wir den Beteuerungen der internationalen sozialistischen Linken einfach – und sei es, weil unsere Spendierhosen heute wie angegossen sitzen:

Die Kampagne „Boykott, Desinvestition, Sanktionen“, die 2005 von 170 Organisationen der palästinensischen Zivilgesellschaft ins Leben gerufen worden ist, richtet sich nicht gegen die jüdische Bevölkerung Israels, sondern eindeutig gegen die Kriegs- und Besatzungspolitik Israels.

Kaum verzeihlich erscheinen jedoch zumindest zwei Passagen der Erklärung, die einen wunder nehmen:

Unabhängig davon, wie man in Deutschland zu dieser Boykottkampagne [gegen israelische Firmen] angesichts der Naziverbrechen[Hervorhebung von Printe] steht – antisemitisch ist sie nicht.

Frage: Wer hat hier Naziverbrechen begangen? Das hab ich mich gefragt, beim ersten Lesen dieses Satzes. Ich unterstelle den Autorinnen und Autoren des zitierten Satzes einfach mal, dass sie sich auf die von Deutschen tatsächlich begangenen Naziverbrechen beziehen, und nicht auf israelische „Operationen“, die bestimmte Teile einer angeblich mit Palästina sich verbunden fühlenden Soli-Szene gern als „schlimmer als die Taten der Nazis“ apostrophieren. Wer diese – von mir natürlich unfairerweise ziemlich aus dem Zusammenhang gerissenen – Zeilen eher flüchtig liest bzw. mit den syntaktisch-semantischen Unebenheiten der deutschen Sprache nicht immer zurecht kommt, könnte auf den Gedanken kommen: Die internationale sozialistische Linke vergleicht Israel mit den Nazis. (Tut sie bestimmt nicht, oder? Oder??)
Kommen wir zum zweiten Splitter:

Die selbsternannten Israelfreunde kennen wir seit Axel Cäsar Springer. Sie verteidigen nicht die Interessen der jüdischen Bevölkerung Palästinas [Hervorhebung von Printe].

Wen meinen die Genossinnen und Genossen denn damit?
a) jüdische Siedler auf dem Gebiet eines hoffentlich zukünftigen Staates Palästina? Kann nicht…
b) die jüdische Bevölkerung des gesamten historischen Palästinas (vor 1948)? Kann auch nicht…

Oder handelt es sich hier einfach „nur“ um einen Wortedreher?
Ich sollte der Letzte sein, der sich über so etwas aufregt bzw. amüsiert, aber ich verfasse auch keine Erklärungen, deren einziger Sinn es ist, in der Öffentlichkeit zu stehen.
Ein Blog ist kein Pamphlet…
Zumindest nicht vergleichbar mit einer Erklärung. Okay?

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