Good Old Hitchens!

Christopher Hitchens, so scheint es, kehrt zu alter Form zurück. Anscheinend mochte ihm die von ihm in den letzten Jahren (seit etwa dem 11.9.2001) gespielte Rolle als ex-linker Bush-Pusher nicht mehr recht behagen, und so hat er einige Texte rausgehauen, die seinen neuen Neocon-Freunden nicht so recht gefallen dürften. Einer seiner neuesten Texte handelt von militanten Rabbis in der IDF, die im Zuge der jüngsten Gaza-„Operation“ auf besonders anschauliche wie abstoßende Weise Motivationsarbeit bei den fundamentalistischsten Segmenten der israelischen Armee geleistet haben. Hitchens‘ Text liegt mittlerweile in deutscher Übersetzung vor, aber ob er online zu lesen ist, weiss ich momentan noch nicht.

I remember being in Israel in 1986 when the chief army „chaplain“ in the
occupied territories, Rabbi Shmuel Derlich, issued his troops a 1,000-word
pastoral letter enjoining them to apply the biblical commandment to exterminate
the Amalekites as „the enemies of Israel.“ Nobody has recently encountered any
Amalekites, so the chief educational officer of the Israeli Defense Forces asked
Rabbi Derlich whether he would care to define his terms and say whom he meant.
Rather evasively—if rather alarmingly—the man of God replied, „Germans.“ There
are no Germans in Judaea and Samaria or, indeed, in the Old Testament, so the
rabbi’s exhortation to slay all Germans as well as quite probably all
Palestinians was referred to the Judge Advocate General’s Office. Forty military
rabbis publicly came to Derlich’s support, and the rather spineless conclusion
of the JAG was that he had committed no legal offense but should perhaps refrain
in the future from making political statements on the army’s behalf.

Ich lese Passagen wie diese, und ich muss daran denken, wie sehr doch Rabbis in bestimmten Kreisen zum Mittelpunkt romantischer Verzerrung geworden sind – und das nicht erst seit gestern.
Kaum gibt es Pfarrer, die, wollen sie in ihren Gottesdiensten besonders als besonders progressiv und tolerant wahrgenommen werden, ihre Predigten nicht mit einer Anekdote von einem Rabbi beginnen(„Ein Mann kam zum Rabbi…“). Rabbis als Personifizierung des guten Menschen, als Idealgestalten, als Bilder – aber nicht als Menschen. So sind dann auch alle ganz bewegt, wenn sie im Anschluss an die Predigt den mit deutschem Text versehenen israelischen Militärschlager von 1967 Yerushalayim shel zahav (in der deutschen Fassung: „Ihr Mächtigen, ich will nicht singen, Eurem tauben Ohr“) singen dürfen.
Banal, darauf hinzuweisen, dass nicht nur Antisemiten Juden auf bestimmte Bilder, Zerr-Bilder, reduzieren, ohne auch nur im Ansatz ein Interesse an lebendigen jüdischen Realpersonen zu haben. Ähnliches gilt leider für (uns?) Philosemiten, nur dass sie sich an eigenen Wunsch-Bildern, romantische Zerrbilder also, ergötzen. Der große Yeshayahu Leibovitz hat genau das dem ebenso großen Martin Buber zum Vorwurf gemacht. In einfachen Worten: Buber hat (nicht nur) mit seinen gesammelten chassidischen Erzählungen es dem von Schuld zerfurchten Deutschen nach 1945 ein bisschen zu leicht gemacht, ihr Gewissen mit dem Konsum erbaulicher Rabbi-Erzählungen zu beruhigen.
Es wäre unfair, jetzt Häme aufkommen zu lassen. Rabbis sind Menschen, und auch ich bin ein hoffnungsloser Romantiker, der von bestimmten Nahost-Friedenspfeifen nicht genug bekommen kann. Aber: Wofür Palästinenser so alles herhalten müssen, ist echt die Härte, oder?
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