„Araber und Shoa“: Palästinensisches Jugendorchester aufgelöst

So wie man der jüdisch-israelischen Seite vorwerfen kann, dass sie israelische Politik viel zu oft in einen Kontext mit der Shoa setzt, kann man umgekehrt für die arabische bzw. besonders die palästinensische Seite konstatieren, dass „Stellungnahmen zur Judenfrage und zur Shoa [oft nur] nur im Kontext des Nahostkonflikts gelesen und interpretiert werden können“(Azmi Bishara). Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurde kürzlich im Flüchtlingslager Jenin ein Jugendorchester aufgelöst, weil es in Israel ein Konzert vor Überlebenden der Shoa gegeben hatte.

Der Sprecher des Flüchtlingslagers, Adnan Hindi, rechtfertigt die drakonische Maßnahme mit harten Worten. Er leugne nicht, dass es den Holocaust an den Juden gegeben habe, „aber wir Palästinenser werden bis heute von den Juden verfolgt. Wir haben unser Land verloren, wir mussten fliehen und wir leben in Flüchtlingslagern.“[Hervorhebung von Printe]

Wieder einer dieser Momente, in denen man Solidarität, wenn überhaupt, dann nur als eine negative Solidarität wahrnehmen kann, will man sich nicht ausführlichst übergeben.

Edward W. Said hat kurz vor seinem Tod (2003) zusammen mit Daniel Barenboim das israelisch-arabische Orchesterprojekt West-Östlicher Diwan ins Leben gerufen. Nach seinem Tod überschlugen sich die politischen Würden- und Hosenträger auf Seiten der Palästinenser, Saids Leben und Werk über den grünen Klee zu loben und als Dienst am Volke zu vereinnahmen. Said schrieb 1998:

Wie sollen wir von der Welt erwarten, dass sie die Leiden der Araber zur Kenntnis nimmt, wenn wir zum einen nicht fähig sind, Leid anderer anzuerkennen, auch wenn es unsere Unterdrücker sind, und wenn wir uns zum anderen weigern, uns mit Tatsachen zu beschäftigen, nur weil sie nicht in die schlichte Vorstellungswelt mancher wackerer Intellektueller passen, die den Zusammenhang zwischen dem Holocaust und Israel nicht sehen wollen! Zu verlangen, dass der Holocaust als Tatsache anerkannt wird, bedeutet keineswegs, zu entschuldigen, was der Zionismus den Palästinensern angetan hat [Hervorhebung von Printe].

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