Wahre Worte aus der Romantikabteilung

Wie gesagt: Es ist noch viel zu früh, in Jubel über die Entwicklungen, die von der US-Regierung in Israel-Palästina initiiert zu werden scheinen. Und dennoch lesen sich Zeilen wie die folgenden aus der Süddeutschen Zeitung äußerst angenehm:

Der US-Beauftragte George Mitchell hat am Freitag nach einem Treffen mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas in Ramallah die Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt erneuert. Nach dem Gespräch sagte er, die USA fühlten sich „der Gründung eines souveränen und unabhängigen Palästinenserstaates verpflichtet“. Der Konflikt dauere schon zu lange, die Menschen in der Region sollten nicht länger warten müssen. Eine Zwei-Staaten-Lösung sei die einzige Möglichkeit, sagte der Ex-Senator. Zuvor hatte Mitchell am Donnerstagabend erstmals mit dem neuen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gesprochen. Der Vorsitzende des rechtsgerichteten Likud will zwar die Friedensgespräche mit den Palästinensern fortsetzen, vermeidet aber ein klares Bekenntnis zu einer Zwei-Staaten-Lösung. Der Antrittsbesuch von Netanjahu bei US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus ist inzwischen von Anfang auf Ende Mai verschoben worden. Bis dahin will Netanjahu mit seinen Koalitionspartnern die künftige Nahost-Politik abstimmen.

Entsprechend albern – und gar nicht „trickreich“, wie Silke Mertins meint, die für „ihren“ taz-Bericht aus Jerusalem lediglich Tickermeldungen bzw. – noch schlimmer – bereits veröffentlichte Presseartikel ins Deutsche übersetzt undmit einigen typischen Klischees ausgestattet zu haben scheint – macht sich die von Premierminister Netanyahu erhobene Forderung aus, dass, bevor seine Regierung ein klares Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung abgeben könne, die Palästinenser ihrerseits ja sagen sollten zum Staat Israel als jüdischem Staat.

Albern deshalb, weil Netanyahu damit den Palästinensern weiterhin ihr Recht auf Unabhängigkeit und – genauso wichtig – „eine eigene Geschichte“(Blumfeld) aberkennt. Das Geschehen von 1948 darf also – so will er es – nicht als palästinensische nakbah (Katastrophe) interpretiert werden, sondern muss als Unabhängigkeitskrieg Israels in die Geschichte eingehen. Ob solcher Rassismus wirklich eine gute Grundlage für einen Frieden in Nahost ist? No way…

Nochmals möchte ich Avi Primor – ein weiterer Herzensbrecher, neben Ari Rath, aus der Romantikabteilung des „guten Israel“ – zu Wort kommen lassen, um zu unterstreichen, was für ein Gezeitenwechsel sich in den Beziehungen zwischen den USA und Israel anzubahnen scheint:

Entscheidend für Netanjahu wird aber die amerikanische Regierung sein, und dies sowohl, was Friedensverhandlungen mit den Palästinensern als auch solche mit Syrien betrifft (und Letzteres sogar sofort). Wenn die Amerikaner einen Friedensprozess erzwingen wollen, brauchen sie nicht mehr zu tun, als der israelischen Regierung ihre Haltung klarzumachen.Jeder israelische Politiker weiß, dass Israel vollkommen von den Amerikanern abhängig ist und sich nicht den geringsten Widerstand gegen deren Willen leisten kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s