„Durban II“: Wie man an einer Mülltonne schnuppert und sich über deren Gestank beschwert.

Der Perlentaucher verlinkt in seiner heutigen Feuilletonrundschau unter der Überschrift „Aus den Blogs“ das gesamte Meinungsspektrum, das es hierzulande zur UNO-Anti-Rassismus-Konferenz in Genf, „Durban II“ noch als repräsentabel durchzugehen scheint. Wieder einmal eine Sternstunde, in welcher – ein Zitat der bekannten, äh, Friedensaktivistin Esther Schapira grob aus dem Zusammenhang reißend – „ein merkwürdiges Verständnis von Pressefreiheit“ offenbart wird.
Nach Ansicht von Broder ist man Außenminister Steinmeier nicht zu Dank verpflichtet, bloß weil der im Namen der Bundesregierung die Teilnahme an „Durban II“ abgesagt hat, „so wenig wie wir einem Autofahrer, der an einer roten Ampel stehenbleibt, Dankbarkeit schulden.“ Dem iranischen Staatspräsidenten Ahmadinejad ist mal wieder gelungen, die gesamte Journaille aufzuscheuchen. Seltsam, der Logik von Broder folgend: Man weiss doch, was dieser Typ an Müll absondert – sich dann auch noch lautstark darüber zu beschweren, dass von diesem Müll Gestank ausgeht, ist unsinnig bzw. wohlfeil.
Man ist sich mal wieder einig, dass Ahmadinejad ganz ein Böser ist, weil er Unerhörtes gegenüber dem Staat Israel von sich gegeben hat. Dass dieses Unerhörte aufgrund der gewohnheitsmäßig indignierten Reaktionen darauf aufgewertet wird, ist anscheinend schnurz. Da können Alan Dershowitz und seine jugendlichen Mitdemonstranten sich noch so sehr ins Zeug legen; da kann in hiesigen Leitartikeln der Zionisierung der Erinnerung an jüdisches Leiden noch so sehr das Wort geredet werden: Der eigentliche Skandal besteht doch darin, dass Ahmadinejad eine UNO-Konferenz so nachhaltig prägen kann – eine Konferenz, die sich mit Rassismus und weiteren dringenden Menschenrechtsfragen befasst – und dass man es ihm erlaubt, mit seinem so unerträglichen, wie sattsam bekannten Gerede die Szenerie völlig zu beherrschen.
Heute morgen durfte man den Worten der Chefin der deutschen Sektion von Human Rights Watch, Marianne Heuwagen, lauschen. Sie brachte es gut auf den Punkt:

[Jochen] Spengler: Wie bewerten Sie die Rede des iranischen Staatspräsidenten?

Heuwagen: Die Rede ist so, wie wir es erwartet hatten. Sie ist eine einzige Hasstirade gegen Israel und voller antisemitischer Äußerungen. Aber es ist eine Rede, wie man sie von Herrn Ahmadinedschad immer hört, auch leider gelegentlich im Kontext der Vereinten Nationen, und Iran ist nun einmal Mitglied der Vereinten Nationen. Im Amerikanischen würde man zu dem Redner sagen, „listen who is talking“. Herr Ahmadinedschad sollte lieber vor seiner eigenen Tür kehren und sehen, was an Menschenrechtsverletzungen und was an rassistischen Ereignissen in seinem eigenen Land vorkommt, wenn man nur einmal ansieht, wie Iran mit den Bahai umgeht oder anderen Kritikern. Er hat gar keinen Grund, so aufzutreten, aber leider ist das genau das, was man von ihm kennt.

Und deshalb war der erste Tag in Genf ein Desaster.

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