"Durban II": Strategien gegen Mitleid

Ahmadenijad hat es geschafft. Und all jene, die sich als Israel-Freunde bzw. -Verteidiger gebärden, aber im Grunde nichts Anderes als ihre mentale Unausgeglichenheit auszuleben wünschten – auch sie haben es geschafft. Schon im Vorfeld von „Durban II“ in Genf schwante „Spiegelfechter“ Jens Berger:

Besatzungspolitik sogar bei den vorgeschobenen Boykottbegründungen nicht explizit erwähnen zu müssen, dient der Auftritt Ahmadinedschads in Genf auch einmal mehr als gefundenes Fressen.

Und Cecilie Surasky von der amerikanischen Jewish Voice for Peace unterstreicht in ihrem Genf-Special auf Muzzlewatch den pathologischen Charakter dieser Leute, gerade wenn es darum geht, auf jenes Unrecht zu sprechen zu kommen, das Palästinensern widerfährt:

The mere mention of Palestinian suffering sends these people into paroxysms of defensiveness and even rage. They go on and on about Holocaust denial, but this phenomenon is cut of the same cloth. It is virtually impossible for them to hold both the narrative of their own suffering, and the narrative of Palestinian suffering. It’s as if they did, they might break in two right there in front of us.

Ahmadenijad als Idealbild des neuen Hitler, gegen den zu sein, sich eigentlich von selbst verstünde. Eine solche Haltung wird nur dann problematisch, wenn der Eindruck entsteht, wenn ihre Funktion lediglich darin zu bestehen scheint, das Leid der Palästinenser bzw. all jene, die dafür Verantwortung zu tragen haben, zu verschweigen. Juden sollen nicht anders denn als Opfer angesehen werden. Und dies scheint nur möglich, wenn die Existenz anderer Opfer geleugnet und die öffentliche Bezugnahme auf diese aufs Schärfste bekämpft wird.

Surasky verweist auf einen weiteren Text von Antony Lerman. Am Ende desselben schreibt Lerman, der einmal Direktor des Institute for Jewish Policy Research war:

I know that the siege, bombardment and invasion of Gaza were not like the German obliteration of the Warsaw ghetto – a comparison that critics of Israel are spreading through the internet I believe. And our need for calm and compassionate examination of the reality of the conflict would be greatly enhanced if we could retire such comparisons. But if we pause to think of the suffering of a dying Jewish child in the ghetto and a dying Palestinian child in Gaza, who would dare to suggest that their suffering is any different.

Nein, es geht nicht darum, dass das Leid des einen gegen das des anderen aufgerechnet werden soll – nur darum, dass man das Leid des anderen überhaupt als solches wahrnimmt, selbst wenn man mit diesem anderen nichts Positives anzufangen weiss, selbst dann, wenn einem persönlich die eigene Anteilnahme keinen unmittelbaren Nutzen bringt – selbst dann, wenn man dieses Leid nicht instrumentalisieren kann.

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2 Gedanken zu “"Durban II": Strategien gegen Mitleid

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