Avigdor Lieberman hat sein Leben nicht im Griff…

Die noch immer neue israelische Regierung hat anscheinend auch bemerkt, dass sie momentan nicht wirklich Herrin des Geschehens ist. Stück für Stück, Schicht für Schicht wird da eine Felsschicht nach der nächsten abgetragen. Zu stur beharrte man auf vermeintlichen Prinzipien, die sich nicht einmal der (gegenwärtige? einstige? zu Grabe getragene?) Nahostfriedensprozess decken. Zu dümmlich versuchte man, Selbstvertrauen zu demonstrieren, indem man einen de-facto-Rassisten zum Chefdiplomaten erhob, der dann auch noch von völlig falschen Voraussetzungen – etwa bezüglich des Verhältnisses Israel-USA – auszugehen schien. Hat Avigdor Lieberman mittlerweile seine Medizin genommen, so dass er laut Ha’aretz den Willen Israels zu Friedensverhandlungen mit Syrien – ohne Vorbedingungen! – hat kund tun können? Offensichtlich versucht Lieberman, die syrische Regierung zu übertrumpfen:

Foreign Minister Avigdor Lieberman said Sunday he was willing to negotiate peace with Syria, but only if talks were held without preconditions. Syria recently said it would resume indirect peace talks with the new Israeli government as long as they focused on a complete Israeli withdrawal from the Golan Heights. Israel captured the strategic plateau from Syria in the 1967 Six Day War. „I’d be glad to negotiate with Syria this evening, but without preconditions,“ Lieberman told Israel Radio.

Ha’aretz verweist auf ein Interview, dass die österreichische Kleine Zeitung kurz vorher geführt hatte. Da hatte Lieberman noch ganz andere Aussagen getätigt:

Wir müssen die Realitäten sehen. Bis heute beheimatet Syrien die Hauptquartiere der Terror-Organisationen Hamas und Djihad. Syrien unterstützt die Hisbollah und ihren Waffenschmuggel in den Südlibanon. Syrien unterstützt auch das Atomprogramm des Iran und ich sehe bis zum heutigen Tag nur eine Festigung der Beziehungen zwischen dem Iran und Syrien. Daher kann ich in Syrien keinen wirklichen Partner für irgendeine Vereinbarung sehen. Bevor wir verhandeln können, muss zuerst die Unterstützung für den Terrorismus eingestellt werden und es müssen die Zentralen aller Terrororganisationen geschlossen werden; erst dann können wir beginnen, über die Zukunft unserer Beziehungen zu reden.

Um es nett auszudrücken: Da versucht einer noch, seine eigene Rolle im ewigen Ränkespiel zu finden. Kein leichtes Unterfangen für einen Neuling wie Lieberman. Vielleicht sollte er sich da einiges von Ehud Barak abschauen. Der hat seinen Part als Feigenblatt anscheinend verinnerlicht. In Ha’aretz klingt das dann so:

Defense Minister Ehud Barak, meanwhile, was quoted by Israel Radio as saying Saturday that Israel should strive toward renewing indirect peace talks with Syria. He reportedly told closed Defense Ministry meetings that the negotiations would distance Syria from the „Axis of Evil.“

Das ist ja nett von Barak – Syrien aus der Achse des Bösen („achbös!“) herauszunehmen…
Wie geht es wohl weiter? Lieberman wird sich weiter selbst zu finden versuchen. Und Ehud Barak wird in ein paar Jahren den Friedensnobelpreis erhalten, weil er es geschafft haben wird, Gaza aus der Liste massiver israelischer Verbrechen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung entfernen?

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