Holocaust-Gedenktag: Rabbi Jeremy Milgrom

Als Nachtrag zum YomHaShoah verlinke ich Rabbi Jeremy Milgroms Reflexionen zum Verhältnis zwischen Deutschen und Israel bzw. Deutschen und Juden. Als Ex- oder Nicht-Zionist bzw. „Zionist zwischen allen Stühlen“ weist er – nicht weiter überraschend – darauf hin, dass es nicht nur falsch, sondern nachgerade bescheuert („foolish“) sei, denn es beleidige jenes Judentum, dass vor dem Holocaust hunderte von Jahren hierzuladen existiert habe:

It’s also a sign that the lessons of the Holocaust have not really been learned except in the most vulgar way: Never Again should this happen to the Jews — is that all we’ve learned?

Und wenn man sich in den letzten Tagen gefragt hat, warum in sämtlichen relevanten Kommentaren zu „Durban II“ der hiesigen Presselandschaft – so differenziert sie auch sein mochten – eigentlich immer von der Gleichung „Staat Israel = Alle Juden“ ausgegangen wurde, erhält man von Milgrom Klarheit: Es geht um Deutschland!

By celebrating the state of Israel as a Jewish state — the raison d’etre of modern Germany, as Bundeskanzlerin Merkel declared in the Knesset last year, a year after the war crimes of „the Jewish state“ in Lebanon and a year before its war crimes in Gaza — Germans can feel some relief that its final solution for the Jewish people was not fully carried out.

Aber:

They are fooling themselves if they believe that the suffering inflicted on the Jewish people ended with them. The ferocity of Israel’s oppression of the Palestinians is hard to imagine without the scars the Holocaust seared into the survivors and their ancestors; if it is not surprising that Germans would feel a perverse solidarity with this evil, it is still a shame that they do not show more responsibility, if not compassion, for the secondary suffering that they have caused.

Mit den folgenden Aussagen, so bedenkenswert sie auch sein mögen, wird sich Milgrom, Gründungsmitglied der Rabbis for Human Rights, unweigerlich ins Feld der sog. Israelhasser katapultieren – egal, wie unbestritten seine großen Leistungen in der Versöhnungsarbeit in Israel-Palästina sein mögen.

The equanimity of Germany in the face of the ongoing suffering Israel has caused the Palestinian people for over 60 years is both a sign of Germany’s cowardice as well as its opportunism, a small price to pay to belong to the West, whose emnity towards the Third World is nothing new, except that this time around it’s not only Christianity against Muslims, but a Judeo-Christian coalition. This face-off cannot lead to a better result than Hitler’s grand plan; it is a neo-conservative scenario that will make the bloodbath of Iraq pale in comparison, and will leave not only all of the Middle East in ruins, but Europe, with its 50+ million Muslims, as well. Is supporting Israeli expansionism worth this price?

Milgrom, der zudem zu den Mitgründern einer Jüdisch-Islamischen Gesellschaft in Deutschland gehört und zwischen Berlin und Jerusalem hin- und herpendelt, wird, so fürchte ich, den Zorn der (Anti-)Deutschen zu spüren bekommen. Aber: Wer wäre Milgrom, wenn ihn das anfechten würde?

The lead story on Kulturradio today was that the Zentralrat des Judens in Deutschland congratulates the German government for boycotting the UN conference in Geneva, and protests that the rest of EU did not do the same; that the Zentralrat takes its marching orders from the Israeli Foreign Ministry is nothing new. But it would be helpful if Germans were told that beyond the official PR, most Israelis are well aware that Israel is indeed a racist state; Israelis know it, but are too lazy to do anything about it. Why should they, if they can get away with it, and noone on the outside can be bothered? It was much the same during the 30’s in Germany, no?

Ich bin mir nicht sicher, ob Milgrom nicht einen Fehler begeht, wenn er zentrale Aussagen aus der Rede Ahmadenijads verteidigt, aber ich gehe davon aus, dass Milgrom auf der Basis von Erfahrungen, die er bei seiner Friedensarbeit gemacht hat, argumentiert.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob die israelische Gesellschaft mit der deutschen Gesellschaft in den 1930er Jahren verglichen werden sollte. Worüber ich mir allerdings sicher bin: Für den Zorn der Hohenpriester der Weltmoral zählen keine Reflexionen, es reicht schon, dass Milgrom die in deren Augen falschen Stichworte liefert. Und: Milgrom, zumal als Jude, zumal als Rabbi, stellt auf vortrefflichste Weise eine Projektionsfigur dar für all jene, die gern solche Satzanfänge gebrauchen: „Auch Israel sollte wissen…“/ „Auch die Juden müssen…“/“Ich bin kein Antisemit, aber…“/ „Einige meiner besten Freunde sind Juden, aber…“
Ich wünsche Rabbi Milgrom, diesem wahren Mann des Friedens, viel Kraft und weiterhin viel Mut – ich mach‘ mir halt Sorgen…

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