"Für Deutschland" gegen Nazis? "Deutsche für Palästina"?

Dies ist ein Blog, in welchem ich schwerpunktmäßig, wenn auch nicht ausschließlich, Themen, die den israelisch-palästinensischen Konflikt betreffen, behandele. Vor einiger Zeit fragte ich: Was bedeutet eigentlich „Solidarität mit Israel“? Moshe Zuckermann zitierend, fühlte ich mich außer Stande, diese Frage zu beantworten. Es ist eben nicht klar, wer oder was Israel nun sein soll. Das entsprechende Verbundenheitsgefühl hat sicherlich viel zu tun mit jenen Befindlichkeiten, die „deutsch“ genannt werden und die wiederum verbunden sind mit Auschwitz. Zwar halte ich die Konsequenz antideutscher Analysen in der Praxis, so von einer antideutschen Praxis überhaupt die Rede sein kann, für absolut falsch – aber wer außer den Antideutschen verweist überhaupt noch auf Adornos Einsicht hin, dass Deutschland nur noch in Verbindung mit Auschwitz denkbar ist? Ich meine, ernsthaft?
Für den leitmedialen Mainstream gilt festzuhalten: Jene, die heute pausenlos Johannes-B.-Kerner-mäßig „für Deutschland“ sein wollen, gehören zu den größten Freunden des Staates Israel. Und jene, die immer wieder auf die Shoah hinweisen, tun dies, weil „gerade wir als Deutsche“ dies tun müssen. Aus Gründen der Staatsräson.
Ein solches Denken führt dann dazu, dass in Schulen zu lernen gegeben wird, man habe gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus zu kämpfen und Courage zu zeigen, damit die Nazis nicht wiederkommen. Schon richtig, aber ist das alles? Was ist mit Mitleid, Solidarität, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit? Juden sind vor Judenhass zu schützen, weil sie als Mitmenschen geschützt werden müssen; und nicht, damit Deutschland moralisch sauber bleibe.

In der sog. Vergangenheitsbewältigung der Deutschen ist einiges schief gegangen. Für Israel sein, aus Gründen der Staatsräson, damit Deutschland wieder gesund wird… Kein Wunder, dass sich kaum noch jemand für jene Juden interessiert, die ihre Identität nicht (nur) vom Staat Israel ableiten. Der Zentralrat der Juden in Deutscchland ist seit den Zeiten Paul Spiegels immer mehr verkommen zum Meinungsorgan des Staates Israel. Warum wohl? Spiegels Vorgänger Ignatz Bubis gab kurz vor seinem Tod resigniert zu Protokoll, der von ihm verstärkt unternommene Versuch, das Bewusstsein der nicht-jüdischen Öffentlichkeit für jüdisches Leben in Deutschland zu wecken, sei insgesamt gescheitert. Warum wohl?

Und kein Wunder, dass sich kaum jemand für die Palästinenser interessiert. Sie stören halt beim nationalen Selbstfindungsprozess.
Vor einer Solidarität mit den Palästinensern, wenn praktiziert von Menschen, denen ihr eigenes Deutschsein besonders wichtig ist, ist mir Angst und Bang‘. Die Voraussetzung für Solidarität mit den Palästinensern darf – ebenso und aus offensichtlichen Gründen noch weniger – nicht verbunden werden mit dem deutschen Wunsch nach Selbstheilung und Gutwerdung. Nur ein Grund, warum ich seit einiger Zeit nicht mehr aktiv bin in der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft.

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