Israel, Diaspora, Antisemitismus und die Sorgen des Marc H. Ellis

In den diversen Diskursen zu Nahost macht sich momentan mal wieder eine recht hohe Empfindlichkeit einzelner Mitagierender gegenüber Standpunkten der jeweiligen Gegenseite bemerkbar. In Zeiten von Darfur, Gaza und Durban II ist Thomas Rothschild besonders von jenen genervt, die Israel mit der Behauptung vor Kritik schützen wollen, Israel werde – möglicherweise aus purem Antisemitismus – immer besonders hart rangenommen, dabei seien andere Staaten – z.B. Rußland, nicht aber die USA – viel schlimmer:

Meist aber dient dieses Argument der Immunisierung gegen berechtigte Kritik an Israel, genauer: an der in Israel herrschenden Politik, denn sie bedeutet zugleich Solidarität mit der israelischen Friedensbewegung. Hingegen müsste es auffallen und wird doch von diesen Israel-Advokaten kaum je angesprochen, dass Juden in der Diaspora in der Tat mit anderen Maßstäben gemessen werden als alle übrigen Menschen, und zwar zu ihrem Nachteil – manchmal sogar von Juden.

Wenn also Juden ausgesondert werden, dann nicht als Israelis, sondern in der Diaspora. Aber das scheint keinen mehr zu interessieren. Wenn die Diaspora nicht bloß als Vorläufer der zionistischen Landnahme oder als Makel, der durch die Staatsgründung Israels getilgt worden ist, interpretiert würde, sondern als eigenständiger, sogar auch positiver Bezugspunkt in der Frage jüdischer Existenzweisen – wir würden endlich wieder und notwendigerweise über den noch immer existierenden „alten“ Antisemitismus in unseren Gesellschaften reden.

Marc H. Ellis berichtete mir soeben per Email von einer, wie er sagte, äußerst interessanten Veranstaltung, die er kürzlich in Bern miterlebt hat – als Referent. Die Betonung des Diasporischen in seinen Schriften wurde auf die Spitze getrieben dadurch, dass die Uni Bern es nicht zugelassen hat, besagte Veranstaltung in ihren Räumen stattfinden zu lassen. Ist das etwa kein Antisemitismus?
Ellis weiter: „Denke viel nach über meine Europa-Reise, bin tief besorgt über die Verschmelzung zwischen dem Staat Israel und den Juden.“ habe so ein Gefühl, dass viele nicht mal verstehen, wovon der Mann redet…

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