Beitar Jerusalem wegen Rassismus bestraft

Dass es sich bei Fußballfans – ausgenommen natürlich Borussia Dortmund, zu deren Anhängern Marius Müller-Westernhagen, Gerhard Schröder, Wiglaf Droste, Friedrich Küppersbusch und anscheinend die gesamte taz-Redaktion zählen – nicht eben um ein Publikum von sensiblen Intellektuellen handelt, muss nicht wirklich betont werden. Und so sehr ich den Gladbacher Bökelberg-Zeiten hinterhertrauere, die Angst in den Augen einer guten Bekannten, die 2001 auch einmal mitgenommen werden wollte auf den Fußballplatz, auf dem Weg vom Mönchengladbacher Hauptbahnhof zum Bökelberg, weil das „Kommando Niederrhein“ vor allem Jagd auf Frauen, Alte und Kinder machte, habe ich noch immer nicht vergessen. Gesänge von Osnabrücker Fans der Lila-Weißen gegen den Erzrivalen Preußen Münster bei einem Regionalligaspiel in Osnabrück im Jahr 2005 auch nicht: „Eine U-Bahn bauen wir. Von Münster bis nach Auschwitz…“ Cottbus hängt noch imer der Makel des Ekligen an, seitdem das dort ansässige Zweitliga-Publikum vor einigen Jahren Gerald Asamoah – damals noch für Hannover 96 aktiv – so gezielt wie rassistisch (zum Glück ausschließlich) verbal bearbeitete. Von Lazio Rom und Feyenoord Rotterdam und deren Fans möchte ich an dieser Stelle nicht auch noch reden. Wer sich in der Fankultur auskennt, weiss, was ich meine.

Der israelische Fußballverband hat nun Beitar Jerusalem mit dem Abzug von einem Punkt bestraft, weil sich Fans des Clubs in besonders abstoßender Weise rassistisch gegenüber arabischen bzw. muslimischen Spielern geäußert haben – und das über einen längeren Zeitraum. In Promised Land gibt es einiges dazu zu lesen. Interessant auch die von Noam Sheizaf hergestellte Verbindung zwischen den verschiedenen Clubs der israelischen Liga und politischen Weltanschauungen. Beitar Jerusalem bzw. Beitar-Fans zählen zum rechten Spektrum. Wenn Siedler mal keinen Palästinenser finden, den sie drangsalieren können, gehen sie zum Fußi:

„It is very common to see Beitar scarves or T-shirts in incidents and demonstrations involving the extreme right.“

Kein Wunder, dass mit Beitar das einzige israelische Team in Israel noch nie einen arabischen Spieler verpflichtet hat. Arabische Spieler, die für das israelische Nationalteam spielen, sind ebenfalls nicht sicher:

On February 2005, Israel’s national team held a friendly match against Croatia in Teddy [gemeint: das Teddy-Kollek-Stadion, Beitars Heimstätte]. On the second half, Abbas Suan, an Arab midfielder, was sent into the game, only to be received with curses and racist calls from Beitar fans in the stands. Fearing another embarrassment, the IFA never had the national team play again in Jerusalem – which is, after all, the state’s capital. That didn’t prevent Beitar fans from repeating their racist calls in numerous league games since, especially those played against Bney Sachnin, the only Arab team in the Israeli top division.

Nun ja, Fußball gehört auch in Israel zu den populärsten Sportarten. Ähnlich wie hierzulande, bildet das gemeine Fan-Volk einen ziemlich repräsentativenQuerschnitt der Gesellschaft. Während aber der DFB auf Rassismus in den Stadien mit hilflosen Symbolaktionen eine angemessene Reaktion nur imitiert („Rote Karte für Rassismus“), geht der israelische Fußballverband „dahin, wo’s wehtut“.

P.S.: Die Beitar-Fans im Bild oben präsentieren auf ihrem Banner die Forderung: „Keine Araber!“ Vielen Dank an Noam Sheizaf.

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