Mord an einer jungen Frau im Iran: Würdiges/unwürdiges Opfer

Wie schwer es einem fallen kann, ein Verbrechen als solches zu benennen, auch und gerade wenn dies nicht zur eigenen Weltanschauung passt, zeigen einige Leserkommentare zum taz-Bericht zur Hinrichtung einer 23-jährigen Frau im Iran, die zum Zeitpunkt ihrer Tat noch minderjährig war. Wie kaltherzig und verlogen die Stimme des Volkes mitunter ihr Organ erklingen lässt, ist atemberaubend. Der Hinweis auf einen möglicherweise repräsentativen Querschnitt des momentanen Meinungsspektrums kann da kaum trösten. Zuerst zu dem, was geschehen ist:

Menschenrechtsorganisationen hatten bereits bei der Verurteilung der damals 17-Jährigen heftig protestiert. Delara Darabi hatte sich zunächst schuldig bekannt, den Cousin ihres Vaters getötet zu haben. Später widerrief sie und gab an, sie habe ihren damals bereits volljährigen Freund decken und damit vor der Hinrichtung bewahren wollen. Ihr Freund wurde wegen Komplizenschaft zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Irans Staatspräsident Ahmadenijad ist nicht erst seit Durban II zum Sprachrohr jener Israel- und Amerikakritiker geworden, denen ihr eigenes Dagegensein wichtiger ist als konkrete und damit positive Solidarität mit Palästinensern, Irakern etc. Wenn dann in seinem Land etwas so Furchtbares geschehen darf wie der Mord an Delara Darabi, zeigen sich die einen als schlechte Verlierer.

04.05.2009 09:14 Uhr:
Von H.M.: Ein Glück, dass es das in den USA nicht gibt [ist wohl bitter-sarkastisch gemeint…]

03.05.2009 21:39 Uhr:
Von Lalla: Minderjährig hin oder her, das Hinrichten von Menschen ist immer menschenverachtend, egal ob der Mensch nun 17, 30 oder 100 Jahre alt ist. Sich da nur gegen die Hinrichtung zum Tatzeitpunkt minderjähriger auszusprechen ist Schwachsinn, vielmehr gilt es einen generellen Stopp der Todesstrafe zu erreichen, und das nicht nur im Iran. Mir fällt da dann spontan eine tolle westliche „Demokratie“ zu ein… [Na bravo...]

Andere wiederum, die beispielsweise Israel-Solidarität zu verstehen scheinen als bedingungsloses Abnicken jeder Regierungs-Propaganda vergehen sich an der Toten, indem sie ebenfalls ihr Transparent ausrollen.

04.05.2009 10:01 Uhr:
Von Jacko: Wie immer wird sowas keine Konsequenzen für den Iran mit sich bringen. Traurig.

[Konsequenz: „Bomb bomb bomb bomb Iran“?]

Super auch bestimmte Islam-Experten, die plötzlich und unerwartet zu taz-Lesern geworden sind:

04.05.2009 08:03 Uhr:
Von volker: tretet die scheiss moslems in die tonne…und alle multikulti spinner mit…schade aber die realität ist harthupe

[Das ist die Vulgärversion des folgenden:]

03.05.2009 20:29 Uhr:
Von Jürgen Purschke: Die Sharia kennt keine „internationale Verpflichtungen“ die einzige Verpflichtung die sie kennt, ist die gegenüber Allahu und dem Koran. Satire an.
Der Protest der islamischen Länder war mal wieder überwältigend, das Mantra: „Das hat alles nichts mit dem Islam zu tun“ scheint nicht mehr zu funktionieren.
Satire aus. [Ralph Giordano, ick hör dir trapsen…]

Zum Glück gibt es aber auch noch jene, die nicht an einer Mülltonne schnuppern, um den Gestank als Duft auszugeben.

04.05.2009 10:45 Uhr:
Von Gaby Harms: die Todesstrafe ist ein Symbol einer gewalttätigen Kultur, nicht deren Lösung. Egal in welchem Land. Neben China, Iran, USA…in 59 Ländern gibt es sie noch. Zuletzt schafften Burundi und New Mexico die Todesstrafe ab. In Montana beginnen z.Zt. die Gespräche zu Gesetzesentwürfen. Es ist möglich und der Weg bedarf weltweit weiterhin Unterstützung. z.B. http://www.amnesty.de Hamburg: http://www.amnesty-hamburg.de

04.05.2009 09:48 Uhr:
Von Horst: Es ist völlig egal, aus welchem Grund jemand hingerichtet wird, es bleibt ein Verbrechen.

Man sieht: Auch in solch unübersichtlichen Zeiten wie diesen ist es möglich, Stellung zu beziehen für die Rechte aller Menschen: differenziert, aber glasklar.

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Ein Gedanke zu “Mord an einer jungen Frau im Iran: Würdiges/unwürdiges Opfer

  1. Ich kann den Beiträgen von Gaby Harms und Horst uneingeschränkt zustimmen.

    Hinzu kommt, dass durch DNA Analysen in den USA viele unschuldig zum Tode Verurteilte ans Tageslicht kamen.
    China ist neben dem Iran das Land mit den meisten Hinrichtungen. Der weltweite Druck muss hier noch weiter ausgebaut werden. Die Arbeit von Menschenrechtsgruppen zeigt, dass hier Erfolge erzielt werden können und viele Staaten die Todesstrafe abgeschafft haben.
    Von der deutschen Presse erwarte ich mehr zu dem Thema.

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