"Death to Arabs" als Facebook-Gruppe

Noam Sherzav präsentiert in seinem Blog einen schaurigen Internet-Fund: Eine Facebook-Gruppe aus Israel, die sich ganz dem Anliegen „Death to Arabs“ verschrieben hat und ihre Seite mit Abbildungen von Meir Kahane und Bannern, die denen der Kach-Bewegung ähneln, ausgestattet haben. Abgesehen von der schieren Abscheulichkeit der Existenz besagter Website, weist Sherzav darauf hin, dass die Mitglieder dieser Gruppe nicht einmal die Notwendigkeit gesehen haben, sich und ihren Standpunkt verborgen zu halten:

The thing is that these people are not just scribbling graffiti in the dark anymore. They are registered to a public group, with their name and their picture, where all their friends can see them (for those of you who don’t use Facebook – when someone joins a group on the site, all his friends get notified. In this case, they will all see some sort of statues line, declaring that “X has joined the group ‘Death to Arabs’”). The people on this group don’t think that they need to hide. They don’t think that there is anything wrong with racism, hate-talk or incitement. In fact, they are rather proud of it.

Was noch schauerlicher ist, so Sherzav:

The group looks as though it is five months old. It currently has 2,165 members. It seems that most of them are minors – your normal Israeli teens. Soon they will join the army.

Das Teacher’s College der Universität Tel Aviv (Dank an Richard Silverstein!) hat eine großangelegte empirische Untersuchung durchgeführt, aus der hervorgeht, dass immer mehr Israelis zentralen nationalen Narrativen nicht mehr so recht zu trauen scheinen: Die sakrosankte Annahme, dass in den Jahren 1947 – 1948 die palästinensische Bevölkerung ihre alte Heimat ausschließlich aus freien Stücken verließ, nicht aber unter dem gewaltsamen Einfluss zionistischer Kampfeinheiten, wird zunehmend stark hinterfragt.

With regard to the main historical event of the conflict — the 1948 Palestinian exodus — 39% of Israeli Jews surveyed believe expulsion by Israel was one of the factors leading to that exodus, in addition to Palestinian fear and the call of Arabs/Palestinian leaders to leave. An additional 8% believe the refugees were primarily expelled, adding up for a total of 47% that believe expulsion took place. In contrast, only 41% accept the Zionist narrative that rejects even partial expulsion and claims Palestinians left due to their own accord. In addition, 46% believe that Israel and the Arab/Palestinian people have been equally responsible for the outbreak and continuation of the conflict. In contrast, only 43% hold the Zionist narrative primarily blaming the Arab/Palestinian people, and 4% blame the Jews.

Die Frage ist nun: Was ist mit diesen Ergebnissen anzufangen? Führt die Einsicht, dass die bisherige einseitige Rollenverteilung im Umgang mit der Nakbah/der Unabhängigkeit Israels korrigiert werden muss, zu einer veränderten Einstellung in der israelischen Bevölkerung? Woran ich mich erinnere: In den Jahren 2001 – 2004 wurde (wieder) öffentlich über die Option des Transfers der palästinensischen Bevölkerung Israels, der Westbank und Gazas in umliegende arabische Staaten diskutiert. Akteuren in diesem Diskurs, darunter auch der „Neue Historiker“ Benny Morris, schien es keinerlei Probleme zu bereiten, die Rolle der Israelis im palästinensischen Exodus einzuräumen. Graffitis auf Autobahnbrücken, mit denen die Transfer-„Lösung“ als einzige realistische Friedenslösung propagiert wurde, waren nicht unüblich. In Meinungsumfragen sprachen sich große Teile der jüdisch-israelischen Bevölkerung für die Transferierung/ Ausweisung von Palästinensern aus.
Was also haben die neuesten Umfrageergebnisse auszusagen? Zionistische Propaganda müsste einer Grunderneuerung unterzogen werden, okay. Nur: Was, wenn breite Teile der israelischen Öffentlichkeit keinerlei Probleme damit haben, dass ihre Gesellschaft nicht nur auf den Ruinen einer anderen Gesellschaft entstanden ist, sondern dass man das Ende dieser anderen Gesellschaft aktiv mitherbeigeführt hat? Was, wenn die Tatsache, dass junge, zukünftige israelische Soldaten in aller Welt erreichbar sein können unter der Losung „Death to Arabs“ – ohne dass sich irgendjemand an diesem Rassismus stört? So sympathisch die von der Uni Tel Aviv gelieferten Zahlen auch anmuten mögen: Nicht einmal ich werde jetzt vor Freude in die Luft springen.

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