Heiko Flottau: "Es wird keinen palästinensischen Staat geben, der diesen Namen verdient."

Die hiesige Medienlandschaft ist in Sachen Nahost in den Augen vieler total einseitig. Entweder total pro-zionistisch oder aber aber total anti-israelisch. Dass man es sich auch und sogar in Bezug auf wichtige Akteure innerhalb der deutschsprachigen Nahostberichterstattung vielleicht doch nicht immer so einfach machen sollte, beweist das Blog von Andre Marty. Darin zuletzt ein Interview mit dem Kollegen und renommierten Journalisten Heiko Flottau. Wie er die Lage in Israel-Palästina beurteilt, ist so einleuchtend wie auch differenziert, auch wenn das einige Israel-Fans sicher anders sehen werden:

Sehen Sie, etwas platt gefragt, noch Ansätze von berechtigter Hoffnung auf eine nachhaltige Entspannung im israelisch – arabischen Verhältnis?
Ich sehe solche Ansätze nicht, besonders nicht angesichts der neuen israelischen Regierung. Auf der Friedenskonferenz von Madrid wurde 1991 beschlossen, dass Israel die 1967 besetzten Gebiete herausgibt und dafür volle Anerkennung durch die arabische Welt bekommt. „Land für Frieden hieß die Formel“. Die arabische Welt hat dieses Angebot mehrfach wiederholt, auf der Gipfelkonferenz von 2002 in Beirut und in einer Anzeigenserie, welche die Palästinensische Autonomiebehörde im letzten Herbst in israelischen Zeitungen schaltete. Seitdem hat Israel seinen Siedlungsbau beständig intensiviert. Also: jenes Land, auf dem ein palästinensischer Staat entstehen soll, wird weiter von Israel kolonisiert.
Und bezüglich des israelisch – palästinensischen Konflikts
?
Israel hat es, …, versäumt, den Palästinensern, damals vertreten durch die vollkommen laizistische PLO, einen Staat zu geben. Das Ergebnis ist, dass es Israel jetzt mit einer, wie sagt man im Nachrichtendeutsch, „radikal-islamischen“ Widerstandsgruppe zu tun hat, der Hamas. In der PLO spielte Religion keine Rolle, einige ihrer Führer waren Christen. Die PLO war nationalistisch, wenn Sie wollen auch sozialistisch ausgerichtet. Israel hat durch seine Politik den radikalen Islam gefördert, wenn nicht sogar mit geschaffen. Als die Hamas 1967 gegründet wurde, erhielt sie von Israel Unterstützung. Israel wollte ein Gegengewicht gegen die PLO schaffen – mit fatalen Konsequenzen, wie man heute sieht.

Allerdings ist auch meine beginnende Euphorie aufgrund des sich abzeichnenden Nahost-Strategiewechsels in Washingtonnach der Lektüre dieser Passage leicht abgeebbt:

Es wird keinen palästinensischen Staat geben, der diesen Namen verdient. Das Territorium dieses „Staates“ ist jetzt schon von allen Seiten eingezäunt und eingemauert. Zudem ist es zerfurcht von mächtigen israelischen Siedlungsblöcken und von etwa 560 israelischen Kontrollposten, welche die Bewegungsfreiheit der Palästinenser entscheidend einengen und die Entwicklung einer funktionierenden Wirtschaft – Grundlage eines jeden Staates – verhindern.

Zumindest die Vertreter jener Palästinensersolidarität, die nicht alle Tassen voll Blut hat, sollten jetzt mal kurz „durch die Nase atmen“(Stromberg).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s