"Die Jüdische": Gelebter Anti-Antisemitismus mit der "Jewish Wall of Shame"

Richard Silverstein pflegt, solche Israelfreunde als wingnuts zu bezeichnen. Die österreichische Zeitung Die Jüdische hat in ihrem Internetauftritt doch tatsächlich eine „Jewish Wall of Shame“ für „unsere illustren Gestalten im Überblick“ errichtet. Wer sind diese illustren Gestalten? Jüdische Israel-Kritiker. Zur Zeit des Fundes aufgeführt: Felicia Langer, Uri Avnery und Moshe Zimmermann. Langer betreibt eine Israelkritik, die offenbar als nicht genehm empfungen wird – so jedenfalls schließe ich aus einem mitgelieferten Stimmungsbericht von einer Pax-Christi-Veranstaltung mit Frau Langer als Hauptreferentin. Uri Avnery kritisiert Israel und entschuldet die Deutschen. „Viele Deutsche nutzen Israels politische Linke, um sich vom eigenen historischen Schuldgefühl freizumachen.“ Tja, und viele Leser benutzen die Papierversion des oben genannten Kampfblattes, um wegzumachen, was die Katze hinterlassen hat, nachdem sie Junge geworfen hat. Moshe Zimmermann – der zeigt zuviel Verständnis für deutsche Geschäfte mit dem Iran. Alles, was ich an Moshe Zimmermann kritisieren könnte, ist seine Zuneigung, die er für Joschka Fischer und den HSV empfindet – ja, den HSV, hab seinen Schlüsselanhänger gesehen, als ich 2001 mit ihm in Jerusalem Kaffee trank.
Was das Eklige an dieser Wall of Shame ausmacht: Sie erinnert in nahezu atembeklemmender Weise an die Shit-List der furchtbaren, von Anhängern des ermordeten „Rabbi“ Meir Kahane geführten, Masada2000-Website. Hier werden „jüdische Feinde“ des Staates Israel (von Chomsky bis Learner, von Jeremy Milgrom bis Marc H. Ellis) als solche denunziert und öffentlich bepinkelt. Ansonsten wird antiarabischer Rassismus gepflegt und die US-Regierung des internationalen Terrorismus‘ gegen Israel geziehen. Besagte Website läuft unter dem Motto: „Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen“(Gen 12,3 – nicht, wie auf der Site behauptet: Gen 12,2-3). Und so praktiziert es auch Die Jüdische. Sagen wir lieber: Sie entblödet sich nicht, dies zu tun. Sieht so nun gelebter Anti-Antisemitismus aus?

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