Evangelischer Kirchentag in Bremen, Bischof Huber und die Hamas-Fraktion

Als Katholik sollte ich, wie gesagt, mal schön den Ball flachhalten – gerade zu Beginn eines Evangelischen Kirchentags. Spielte ich die katholische Karte, ich wäre der Heuchler, der zwar den Splitter im Augen des Anderen, nicht aber den Balken in meinen Augen bemerkt.
Deshalb aus tiefer Sorge und aus ökumenischer Perspektive. Der EKD-Ratsvorsitzende bewegt sich auf gefährlichem Terrain, wenn er meint, den von Seiten katholischer amts- und Würdenträger viel zu oft begangenen Fehler wiederholen zu können und die chauvinistischsten, reaktionärsten und lebensfeindliche Segmente seiner Kirche zu umarmen:

Gegenüber dem Fernsehsender 3sat nannte Bischof Huber die gegenseitige Annäherung der Kirche und der Evangelikalen vor einem Monat „eine der verheißungsvollsten Entwicklungen, die es in unserer Kirche in den letzten zehn bis zwanzig Jahren gegeben hat“.

Sonst hat Huber anscheinend keine Probleme? Der bekanntlich von christlicher Seite seit Neuestem offizielle angefeindete Navid Kermani schreibt in seinem jüngsten Buch Wer ist wir? Deuschland und seine Muslime (bereits im März erschienen):

Im Unterschied zur katholischen Kirche, die trotz der Regensburger Rede unter Benedikt XVI. den Dialog zwischen Christentum und Islam mit großem Engagement betreibt und auch in Deutschland im großen und ganzen weiter eine konziliante, auf Verständigung ausgerichtete Position einnimmt, grenzt sich die Führung der Evangelischen Kirche in Deutschland zunehmend vom Islam ab. Die Handreichung zum Dialog, die sich zuletzt veröffentlichte, trägt die Handschrift evangelikaler Autoren und ist in einer Rhetorik der Gegnerschaft verfaßt, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Auf dem letzten Kirchentag wurden Vertreter des Islams vom Publikum ausgepfiffen, kaum daß die die Bühne betraten, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, der auf dem Podium saß, erinnerte das Publikum nicht etwa an das Gebot der Gastfreundschaft, sondern stiftete es durch seine Bemerkungen noch zu weiteren Unmutsäußerungen gegenüber den Muslimen an. Und auf der jüngsten Synode hat sich die Bestimmung dessen, was evangelischer Glaube heute ist, weitgehend darauf beschränkt, was ihn vom Islam unterscheidet.

Und da wundert man sich noch, warum Islamfeindschaft sich hierzulande einer so großen Beliebtheit erfreut? Ein älterer, wenngleich nicht uinteressanter Text, in welchem sich Ekrem Senol mit Bischof Hubers Dialog-Rhetorik bezüglich des Islams kritisch auseinandersetzt, findet sich übrigens hier.

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