Ali Abuminah über Abbas und Obama

Der US-Palästinenser Ali Abuminah, Mitbegründer von Electronic Intifada, ist nicht gerade ein Freund der Zwei-Staaten-Lösung. Zum Besuch von PA-Präsident Mahmoud Abbas hat er einen interessanten Artikel für The Nation geschrieben. In seinem Text unterzieht er die bisherige Nahost-Politik der Obama-Administration einer kritischen Analyse. Schon zu Anfang weist er auf die schlechten Voraussetzungen dieser Politik in der arabischen Welt hin:

The United States–Israel’s main arms supplier, financier and international apologist–faces huge hurdles. It is deeply mistrusted by Palestinians and Arabs generally, and the new administration has not done much to rebuild trust. Obama has, like President Bush, expressed support for Palestinian statehood, but he has made no criticisms of Israel’s bombardment of the Gaza Strip–which killed more than 1,400 people last winter, mostly civilians–despite evidence from Amnesty International, Human Rights Watch and UN investigators of egregious Israeli war crimes. Nor has he pressured Israel to lift the blockade of Gaza, where 1.5 million Palestinians, the vast majority of whom are refugees, are effectively imprisoned and deprived of basic necessities.

Zwar hat Obama den israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu aufgefordert, den Siedlungsbau und Siedlungsausbau einzustellen – eine Forderung, der sich mittlerweile die Bundesregierung in Person von Außenminister Steinmeier angeschlossen hat – aber solange sich die Theorie nicht in Praxis erweist, können Obama und alle Trittbrettfahrer dieser Hemisphere viel verlagen, es wird nichts bringen. Nun hat Obama am vergangenen Donnerstag Abu Mazen empfangen. Aber: Wen repräsentiert Letzterer? Abuminah:

More than half of residents in the occupied territories do not consider Abbas the „legitimate“ president of the Palestinians, according to a March survey by Fafo, a Norwegian research organization. Eighty-seven percent want the Fatah faction, which Abbas heads, to have new leaders.

Wer aber repräsentiert, wenn es Abu Mazen nicht tut, den Willen der palästinenschen Bevölkerung?

Hamas, by contrast, emerged from Israel’s attack on Gaza with enhanced legitimacy and popularity. That attack was only the latest of numerous efforts to topple the movement following its decisive victory in the 2006 legislative elections. In addition to the Israeli siege, these efforts have included a failed insurgency by Contra-style anti-Hamas militias nominally loyal to Abbas and funded and trained by the United States under the supervision of Lieut. Gen. Keith Dayton.

Mit anderen Worten: Nicht nur repräsentiert Fatah die Palästinenser nicht länger. Auch sind Versuche der USA fehlgeschlagen, Fatah wieder erstarken zu lassen. Die USA haben Fatah trainiert für den Kampf gegen Hamas. Wenn Hamas als Client des Irans herausgestellt wird, dann ist Fatah in der Tasche der USA – und damit Israels.
Sodann kommt Abuminah auf Netanyahus Forderung zu sprechen, als Voraussetzung für die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen müssten die Palästinenser Israel als jüdischen Staat anerkennen, eine Forderung, die von Obama unterstützt wird:

Israel has pressed this demand with increasing fervor because Palestinians are on the verge of becoming the majority population in the territory it controls. Israel wants to ensure that any two-state solution–something that looks increasingly doubtful even to proponents–retains a Jewish majority. This explains the state’s longstanding opposition, in defiance of international humanitarian law, to the return of Palestinian refugees who were expelled or fled from homes in what is now Israel.

Die Palästinenser im gesamten Heiligen Land stellen im zunehmenden Maße die Bevölkerungsmehrheit dar. Die Forderung nach einem Ja zu einem Israel als jüdischem Staat erscheint unter diesen Umständen – nimmt man dazu die Tatsache, dass Israels Siedlungspolitik die Westbank de facto zerlegt hat, dazu – noch problematischer. Dazu Abuminah:

If Israel has a „right to exist as a Jewish state,“ then what can it legitimately do if Palestinians living under its control „violate“ this right by having „too many“ non-Jewish babies? Can Israel expel non-Jews, fine them, strip them of citizenship or limit the number of children they can have? It is impossible to think of a „remedy“ that does not do outrageous violence to universal human rights principles.

Unter den gegebenen politischen Zuständen in Israel, wo aktiv Vorbereitungen getroffen werden, auch die letzte kulturell-national bedeutsame kollektive Äußerung der Palästinenser zu unterdrücken, sind Abuminahs Fragen nicht unberechtigt. Abuminah unterzieht Israels Palästinenserpolitik der Politik der USA in ethnischen Fragen einer wiederum kritischen Prüfung und kommt zu einer bedrückenden Schlussfolgerung:

It would be sad indeed if the first African-American president of the United States were to defend in Israel exactly the kind of institutionalized bigotry the civil rights movement defeated in this country, a victory that made his election possible.

Wieviele Menschen heulten vor Freude, als mit Barack Obama ein afro-amerikanischer Präsident ins Weiße Haus einzog? Hoffen wir, dass der Preis dafür nicht in der Unterstützung von politischen Maßnahmen liegen möge, die Strukturen von Apartheid und Segregation zumindest ähnlich sind.

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