Hassan Haidar: Alte Feindbilder taugen nichts mehr.

Die Nahost-Strategie der Obama-Administration bringt das Blut der Extremisten zum Kochen, wie Hassan Haidar in der Onlineversion von Dar al Hayat berichtet:

Israeli Minister of Transportation, Katz, who is close to Netanyahu, hastened to criticize the US endeavor to “win the hearts” of Iran and Al Qaeda and publicly criticize the Israeli settlement policy. Al Qaeda’s number one and number two, Bin Laden and Al Zawahiri, attacked “the criminal who came to obtain through deceit what he was unable to obtain on the ground.” Ahmadinejad blamed Washington for the Zahedan blast and promised to continue “resisting international pressures” if reelected president.

Kein Wunder, dass diese Leute ins Schwitzen geraten, beruhte ihre Politik doch ausschließlich auf der Pflege von Feindbildern. In Israel hat man sich viel zu lange darauf verlassen (können), mit dem Raub palästinensischer Ländereien und dem Bau illegaler Siedlungen fortfahren zu können, weil die US-Regierung seit Jahrzehnten einfach alles abnickte und vor den Vereinten Nationen verteidigte, was sich die israelische Regierung in Sachen Palästinenserpolitik einfallen ließ. Doch die Zeiten scheinen sich fürwahr geändert zu haben. Ghait al-Omari, ehemaliger Berater von Abu Mazen drückt es so aus:

My own impression is that I see a seriousness that we haven’t seen for a long time from the administration,“[…] „I see diplomatic skill we have not seen for a while. I think the positions have been staked. The upcoming period is a period of seeing how good and how skillful U.S. diplomacy is.

Befinden wir uns in am Anfang eines Zeiten-, vielleicht sogar Gezeitenwechsels? Fest steht: Wenn die US-Regierung ihre Nahost-Strategie ändert, bleibt anderen wichtigen Akteuren im Kontext des Nahostkonflikts nichts Anderes übrig, als ebenfalls den jeweils eigenen Ansatz zu überdenken. Dass israelische Extremisten immer dann beginnen, Plakate zu produzieren, auf denen ein Politiker in SS-Uniform zu sehen ist, dürfte seit Rabins Zeiten kaum noch verwundern. Auf der anderen Seite des Spektrums geraten indes altbewährte Feindbilder ins Wanken. Dazu Haidar:

Throughout the years of struggle in the Middle East, especially since the mid-1950s, the Americans have constituted the great target that is easy to attack and accuse of all predicaments. Some of the regional regimes have gotten accustomed to blame Washington for their political failure, military defeats, bloody coups, unjust treatment of citizens, disinterest in development, inability to peacefully deal with their environment, as well as scientific and technological backwardness. Hence, hostility to Americans has turned into a raison d’être for these regimes and their permanent slogans on every occasion. Even their “defiance” slogan was reflective of their rejection of the US policy rather than an expression of suggested alternatives. Moreover, Israel exploited this situation and pursued its settlement policy – taking advantage of the blame thrown on Americans for all its actions.

Mit purem Antiamerikanismus ist spätestens jetzt nichts mehr zu gewinnen.
Wo sind unsere Antiantisemiten und Antideutschen, die sich darüber freuen? Auch für scheint ist die Zeit des frohen Ausbeutens und eines antiarabischen Rassismus‘, der ja „nur“ aus Sorge um Israel praktiziert wird, vorbei.
Endlich gilt es auch für sie, sich eine neue Raison d’etre zu suchen. Wie wäre es mal mit dem Kampf gegen Nazis hierzulande?

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