Bittermann über Fleischhauer: "Der Götz Aly für Arme"

Klaus Bittermanns Texte lesen sich zuweilen wie Second-Hand-Versionen von Wiglaf Droste. Und dass bei dem Mann in Sachen Israel-Palästina nicht nur eine Schraube locker ist, macht mich zuweilen ratlos. Dennoch schätze ich diesen umtriebigen Publizisten mitsamt seiner Edition Tiamat und habe ich mich über seine Worte zum neuen Links-Bashing-Buch aus dem Hause Spiegel sehr gefreut:

Auch Jan Fleischhauer hat einen Verein. Der Spiegel heißt sein Arbeitgeber, der schon seit Anfang an in der ersten Liga spielt. Jan Fleischhauer wurde vor einigen Jahren verpflichtet und gehört mittlerweile zur ersten Mannschaft. Dazu muß man ein Buch geschrieben haben, in dem man sich auf mindestens 250 Seiten von der Linken und alles, was damit zu tun hat, distanzieren muß. Eine Art Bekennerschreiben, obwohl man damit keineswegs einen Anschlag legitimiert, sondern nur seine Abkehr dokumentiert. Entstammt man qua Geburt und Elternhaus selber diesem Milieu, kriegt man Pluspunkte, wenn man wortreich und überzeugend versichern kann, daß man echt nix mehr mit denen zu tun hat. Als links gelten bereits die SPD und Die Linke. Eine Verwechslung, die Jan Fleischhauer nicht aufgefallen ist. Aber in seinem Buch darf er sowieso keine neuen Erkenntnisse ausbreiten, die seine Position beim Spiegel schwächen könnten, er muß tapfer weiter behaupten, daß Die Linke links sei, obwohl doch jeder weiß, daß eine Partei, die ihr Profil Lafontaine, Gysi und der Frau mit den gestärkten Rüschenblüschen und den mumifizierten Gesichtszügen verdankt, gar nicht links sein kann. Dann muß man beim Berliner »Edel-Italiener Adnan« eine sogenannte Buchpremiere feiern und sich dabei mit Karl-Theodor zu Guttenberg (37) ablichten lassen, weil der wie ein etwas feisterer Klon von Fleischhauer aussieht. Man muß dann – die Vorschriften für die Aufnahme in die erste Mannschaft des Spiegel sind äußerst kompliziert – folgenden von Bild vorgeschriebenen Gästen die Hände schütteln: »Thomas de Maizière (55, CDU), dem CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen (43) und dem Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder (29).« Außerdem dem stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg (49, SPD), Sascha Lobo (34, BLOG), Mathias Döpfner (46), Tita von Hardenberg (41), Arnulf Baring (299) und Ildikó von Kürthy (41). (Die Zahlenangabe hinter den Namen beziehen sich übrigens auf die Anzahl der Totalausfälle in der Großhirnrinde). Hat man dieses komplizierte Regelwerk beachtet, dann steht einer steilen Karriere beim FC Spiegel nichts mehr im Wege. Anschließend muß man sich noch den Mund abputzen, aber das ist die leichteste Übung. Und wenn die mit dem Spiegel verschwisterte Bild-Zeitung dann noch attestiert, es habe sich bei dem »Fleischhauer-Menü« um »klein gehackte Linke gewürzt mit Humor und einem Schuss Zynismus« gehandelt, dann hat man es geschafft. Dann ist man der Götz Aly für Arme.

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