Gelebter Antiantisemitismus…ungelöst: "Bomb Iran"

Am Donnerstag wendeten sich der Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus, die Jüdischen Gemeinde zu Berlin und das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus in einem ernsthaft besorgten Offenen Brief an Obama. Darin warnen sie den US-Präsidenten davor, die große amerikanische Tradition des Anti-Antisemitismus zu vergessen:

„Ihr hoch geachteter Amtsvorgänger Franklin D. Roosevelt führte im 2. Weltkrieg die Vereinigten Staaten zum Sieg über die antisemitischen Mächte. Wir sind davon überzeugt, dass Sie, in Anknüpfung an das Roosevelt-Vermächtnis, auf das Sie sich in der amerikanischen Innenpolitik beziehen, ebenso dessen Entschlossenheit teilen, auch in der Außenpolitik eine führende Rolle im Kampf gegen den Antisemitismus und für die Menschenrechte zu spielen.“

Kann man nicht viel dagegen sagen. Problematisch nur, dass von Anfang an klar ist, dass es sich bei dem Brief um eine ziemlich offensichtliche Propaganda-Aktion handelt, denn es geht den Autorinnen um einen entschiedenen Kampf gegen den Antisemitismus und das antisemitische Regime im Iran. Was also heissen soll: Iran = Nazi-Deutschland. Was heißen soll: Amerika hat Nazideutschland in einem Krieg besiegt. Entsprechend muss nun auch mit Iran verfahren werden. Die an der Entstehung und Verbreitung besagten Briefes beteiligten Gruppierungen sind offensichtlich der Meinung:
– Netanyahu hat recht: Nicht Palästina ist das wichtigste Thema im Nahen Osten, sondern Iran.
– Vergessen wir den Irak, wo ein anderer Diktator bis vor kurzem wütete und ebenfalls von diversen Israel-Fanclubs mit der Person, die für das singuläre Menschheitsverbrechen schlechthin steht, verglichen wurde. Das alte Spiel ist schhon längst wieder im Gange. Oder was ist von Zeilen wie den folgenden zu halten?

„Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten haben einen entscheidenden Beitrag zur Befreiung von der NS-Herrschaft in Deutschland und Europa geleistet. Wir bitten Sie, in dieser großen amerikanischen Tradition auch den neuen Gefahren für die Menschheit und die Demokratie entschieden entgegen zu treten, die vor allem von der Islamischen Republik Iran ausgehen. Eine atomar bewaffnete Islamische Republik Iran würde nicht nur den Nahen Osten destabilisieren. Sie würde alle Kräfte stärken, die in unserer Zeit gegen die Menschenrechte und die Demokratie kämpfen.

Um es mit den Worten des republikanischen Kandidaten bei den letzten US-Präsidentschaftswahlen anders auszudrücken: „Bomb, bomb, bomb, bomb, bomb Iran“. Oh Mann. Und ich frage mich nur: Hat der Kampf gegen Antisemitismus nicht andere Aktionsformen verdient, andere Inhalte und andere offene Briefe? Wenn dies der Königsweg sein soll, einen Zustand zu erreichen, dass Auschwitz nicht mehr sei, macht mich das nur noch ratlos und traurig. Das Streben nach einem Zusammenleben der Menschen, welches Opfer nicht mehr in Kauf nimmt oder fordert – aufgelöst in Schall und Phosphor-Raketen?
Und ich wette, diese Leute werden irgendwann beginnen, über Obamas muslimische Wurzeln zu raunen. Seine Rede in Kairo dürfte den Unterzeichnenden jedenfalls nicht gefallen haben. Aber sie bezogen sich ja eher auf Obamas zu der Zeit noch anstehenden Besuch in Buchenwald… ich weiss, ich weiss, aber trotzdem.

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