Hasbara in der Krise

Armes Israel. Die einzige Demokratie im Nahen Osten – ach ja: Hier ein Link zu den Wahlen im Libanon letzten Sonntag – hat ein Image-Problem: Der Araber erzählt nur Böses über Israel herum in der Welt.

„The Arabs, our adversaries, have succeeded in doing to us what ‚Borat‘ did for Kazakhstan“, Ido Aharoni told the Knesset Defense and Security Committee on Tuesday.

Seltsam, dieser Ido Aharoni – wenn die Araber die Feinde Israels sind – was erwartet der Mann dann von ihnen? Merci-Schokolade? Wer ist dieser Ido Aharoni eigentlich? In Ha’aretz erfahren wir: Der Mann leitet das Brand Israel Project – es geht diesem Projekt darum, die Marke Israel in der Welt zu verbreiten. Es geht um Propaganda, Hasbara. Laut Aharoni haben arabische „Kollegen“ einfach besser gearbeitet:

Arab public relations measures „have created an image [for Israelis] whose connection to reality is very weak.“

Man mag sich fragen, welches Image Israels in der Welt ihm lieber wäre, man kann es aber auch lassen. Die althergebrachten Formeln verkaufen sich eben nicht mehr so gut. Das ist Außenminister Lieberman auch schon aufgefallen. Andererseits: Besagte Propaganda hat noch so gut funktioniert, dass sich kein westlicher Politiker von Rang und Namen hat hinreißen lassen, Liebermans Ernennung zu Israels Chef-Diplomaten auch nur ansatzweise zu problematisieren. Sicher, man ist besorgt, aber solange Hamas und Hisbollah und Iran… etc. Überhaupt Iran: Glaubt man dem gewöhnlich bestens informierten und absolut verlässlichen Richard Silverstein, dann stehen die Chancen für Mahmoud Ahmadinejad, die Wahl zum iranischen Staatspräsidenten abermals für sich zu entscheiden, denkbar schlecht:

The N.Y. Times reports that Iran’s leading moderate presidential candidate, Mir Hussein Moussavi, leads the incumbent Mahmoud Ahmedinejad by 54-39%.

Mein Problem – vielleicht bin das ja mal wieder nur ich, der das nicht sieht -: Ich finde auf der N.Y. Times-Site keinerlei Hinweis auf irgendwelche Wahl-Zwischenergebnisse. Wie dem auch sei: Sollte stimmen, was Silverstein da verbreitet, wäre die nächste Niederlage für Netanyahu auf internationalem Parkett beschlossene Sache. Ferner verlören unzählige honestly concerned Israel-Freunde, Denkpanzer und Initiativen ihre Darseinsberechtigung – freilich auch nur so lange, bis wieder ein neuer Mini-Hitler durchs virtuelle Dorf getrieben wird.
Wie sagte Ober-NeoCon-Islam-Feind Daniel Pipes neulich noch:

“I’m sometimes asked who I would vote for if I were enfranchised in this election, and I think that, with due hesitance, I would vote for Ahmadinejad,” Pipes said. The reason, Pipes went on, is that he would “prefer to have an enemy who’s forthright and obvious, who wakes people up with his outlandish statements.”

Zurück zu Lieberman: Mir fiele ein recht guter Schachzug ein, damit Israels Image sich kurzfristig verbessern könnte. Ein Rücktritt Liebermans. Und ich meine das gar nicht einmal so sarkastisch, wie es sich lesen mag. Das Problem ist nämlich wirklich: Mit fast jedem anderen Politiker wäre Israels Propagandaabteilung Außenminister besser bedient als als mit Lieberman. Und dass man in der israelischen Regierung bzw. bei Brand Israel darauf noch nicht selbst gekommen ist, lässt tief blicken.

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