Shulamit Aloni beklagt die "Schande" in ihrem Lande

Shulamit Aloni, israelische Menschenrechtlerin und frühere Ministerin zur Lage ihres Landes:

Es ist äußerst bedauerlich und beschämend, dass alles, was Lord Rothschild vorausgesagt hat, inzwischen eingetreten ist. Nicht einmal in unseren finstersten Träumen und den schlimmsten Zeiten seit dem Kampf um die Staatsgründung hätten wir uns vorstellen können, dass die Anhänger von Zeev Jabotinsky hier Angst und Schrecken durch eine rassistische Gesetzgebung verbreiten würden; dass sie durch die Zerstörung des Gerichtssystems versuchen würden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte auszuhebeln – genau die Dinge, die in einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sind und jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind zugänglich sein müssen, ungeachtet ihrer Herkunft, Rasse, Religion oder des Geschlechts.
Seit 42 Jahren sind wir die brutalen Besatzer und Unterdrücker eines Landes, das uns nicht gehört. Müssen wir denn wirklich zu räuberischen Kosaken werden, Bäume und Felder zerstören, Frauen, Kinder und Alte drangsalieren, um unsere eigene Freiheit zu verteidigen? „Wir haben dieses Land, wir haben es“, heißt es in einem Lied, aber es sollte lauten: „Wir haben die Macht, wir haben sie, wir haben das Geld, wir haben es, und wir dürfen alles, alles dürfen wir“, nämlich eine ganze Bevölkerung aushungern, einsperren und mit Luftangriffen, Streubomben und weißem Phosphor schließlich vernichten. Weil wir die Herren des Landes sind und Gott uns auserwählt hat. Es ist eine Schande.
Alles richtig, jaja. Ich frage mich nur, worin die Alternative bestanden hätte. Mit Blick auf jene politischen Strömungen und Parteien in Israel, die sich nicht der Tradition eines revisionistischen Zionismus‘ verpflichtet fühlen, sondern eines Zionismus‘, der eher Ideale der Arbeiterbewegung repräsentiert, lässt sich sagen: Unter welcher Regierung wurde nach dem siegreichen Ende des Sechs-Tage-Kriegs die „Sünde des Siebten Tags“ (Yeshayahu Leibovitz) begangen, d.h. mit der Besatzung von Westbank, Gazastreifen, Golanhöhen und Ostjerusalem begonnen? Unter einer Labour-Regierung. Wer hat mit den Siedlungen angefangen? Wessen Idee war es, die Palästinenser in den besetzten Gebieten „wie Hunde“ leben zu lassen, wenn sie nicht freiwillig weichen wollten? Moshe Dayan. Die Arbeitspartei. Wer wollte den Palästinensern in der Ersten Intifada die Knochen brechen? Yitzhak Rabin. Wer hat den Libanon bombardieren lassen, nur um bei den Wahlen 1996 bessere Chancen zu haben? Shimon Peres. Wer hat die Lüge von der „großzügigen Angebot“ im Zusammenhang mit den Friedensverhandlungen in Camp David 2000 in die Welt gesetzt und Anfang 2001 die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss abgebrochen? Wer hat „Operation Gegossenes Blei“ mitzuverantworten? Wer ist noch immer Verteidigungsminister? Ehud Barak.
Shulamit Aloni gehört(e) zur Meretz-Partei, einem links-zionistischen Ableger des politischen Establishments. Ich stehe Politikerinnen wie Aloni mittlerweile immer skeptischer gegenüber. Seit Jahrzehnten macht sie in Israel Politik. Zeitweise als Ministerin! Und was ist das Ergebnis? Sie hat sich einen Namen machen können als das Gewissen Israels. Sonst war wenig. Wie sagt Rabbiner Hecht von der Jüdischen Gemeinde Berlin – wenn auch in einem anderen Zusammenhang: „Ich bin immer sehr misstrauisch, wenn jemand seinen Lebensunterhalt durch bestimmte Situationen verdient.“ Könnte es sein, dass Leute wie Aloni ihren Lebensunterhalt lediglich damit verdienen, dass sie in ihren Texten die Schande, die in ihrem Land herrscht, beklagen? Lässt es sich damit gut leben? Wird einmal Tzipi Livni ähnliche Artikel verfassen?
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s