Netanyahu will Verhandlungen ohne Vorbedingungen – unter bestimmten Bedingungen

Netanyahu brauchte mehr als 19 Wörter.
Wenn man sich die ersten Schlagzeilen der hiesigen Presse zur Netanyahu-Rede zu Gemüte führt, kommt man zu gemischten Ergebnissen. Einige Redaktionen gaben ihrer eigenen Israel-Romantik nach: Ein israelischer Regierungschef kann gar nicht anders, als sich nach Frieden sehnen. Andere sprechen davon, dass Netanyahu unter Auflagen bzw. Bedingungen zu Verhandlungen bereit bzw. mit der Gründung eines Staates Palästina einverstanden ist. Wieder andere befassen sich mit der Enttäuschung der Palästinenser. Mit am weitesten ging SpOn, wo zudem schon von den Konsequenzen der Netanyahu-Rede für die Palästinenser die Rede ist („Netanyahus Rumpfstaat-Offerte verärgert Palästinenser“).

Phil Weiss liefert weitere Reaktionen auf Netanyahus Rede gestern, inklusive einem Ticker zur Rede.
Joseph Dana und Richard Silverstein kratzen sich beide am Kopf. Netanyahu will Verhandlungen mit Arabern/Palästinensern ohne Vorbedingungen. Wesentliche Teile seiner Rede bestehen aus nichts anderem als Vorbedingungen: Jerusalem muss ungeteilt bleiben, darf also nicht die Hauptstadt eines Staates Palästina werden. Die Zukunft der Siedlungen muss auf deren natürlichem Wachstum beruhen, was alles bedeutet, nur keinen Siedlungsabbau. Die Palästinenser müssen Israel als das Heimatland der Juden anerkennen. Nein zu einem palästinensischen Rückkehrrecht, Nein zu Hamas. Wenn es einen Staat Palästina geben sollte, dann nur einen demilitarisierten, in welchem die Palästinenser zudem keine Hoheitsrechte über den Flugverkehr genießen dürfen. Welcher palästinensische Verhandlungsteilnehmer würde dem zustimmen? Und: Wer würde ernsthaft glauben, dass Israel gleichzeitig auf seine nuklearen Potentiale, seine Armee und seinen ausufernden Sicherheitsapparat verzichten wird?
Netanyahu ruft also zu Friedensverhandlungen ohne Vorbedingungen auf – und meint anscheinend dabei die der Palästinenser.
Letzte Frage: Was sollte einen davon abhalten, Netanyahus Rede von gestern, wie Richard Silverstein, als a no-brainer and a non-starter zu bezeichnen – außer vielleicht der Umstand, dass englische Versatzstücke in deutschen Sätzen (oder umgekehrt?) total uncool sind?

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