Broder und die "Delegitimierung Israels"

Laut Perlentaucher beobachtet Henryk M. Broder „eine schleichende Israel-Delegitimierung“ in den letzten Jahren:

Und deutsche Israelkritiker arbeiten da Hand in Hand mit „nützlichen Idioten“, sagt er in einem Vortrag, den die Welt dokumentiert: „Mit dem Mord an sechs Millionen Juden haben sich die Deutschen für die Aufgabe qualifiziert, darauf zu achten, dass die Überlebenden des Holocaust sich ordentlich benehmen. Das ist Balsam auf die wunden Seelen derjenigen Deutschen, die sich von ihrer Geschichte nur erholen können, indem sie darauf verweisen, dass die Juden auch nicht besser sind. Deswegen kämpft die deutsche Antifa gegen den ‚Faschismus‘, der in Israel die Politik bestimme. Wenn die Aufforderung dazu von leibhaftigen Juden kommt, dann macht dieser Kampf noch viel mehr Spaß, wurde er doch von Juden als koscher abgesegnet.“

Hmm. So abwegig sind Broders Gedanken gar nicht. Aber: Was, wenn an Israels Delegitimierung Leute wie Broder ebenfalls ihren ganz eigenen Anteil haben – nur dass man bei ihm nicht von „schleichend“ sprechen kann?
Zudem: Was ist mit dem Balsam für all jene Israel-Freunde und Antideutsche, die sich von ihrer Geschichte nur erholen können, indem sie darauf verweisen, dass die Juden auch nicht besser sind – Stichwort: „Es macht mehr Spaß, Täter als Opfer zu sein.“ (Broder am 17.3.05 in der Jüdischen Allgemeinen).Hm?

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4 Gedanken zu “Broder und die "Delegitimierung Israels"

  1. Ich denke auch, dass die in Rassismus und Intoleranz versinkende israelische Gesellschaft für viele deutsche Rechte Balsam auf die verwundete Seele der sich zu Unrecht in die Nazi-Ecke abgeschoben wähnenden Rassisten und Fremdenfeinde ist. Nicht ohne Grund gehören Broders Freunde von PI zu den lautesten Israel-Hurra-Rufern, die gemeinsam mit pseudo-linken Antideutschen in typischer Manier gegen Moslems und Araber hetzen.

    Das macht Broder aber nichts, lieber konstruiert er für deutsche Linke eine Art vererbtes nationales Kollektivschuldbewusstsein, als seien die Linken nicht als allererste von den Nazis abgeholt worden und hätten es nötig, sich von einer Schuld zu entlasten, die sich die klammheimlichen Vorbilder seiner, Broders, Fans aufgeladen haben.

    Und auch das kann man nur wiederholen: Die Zustände in Israel, der ungehemmte Rechtsextremismus sogar von Teilen einer sich selbst als links bezeichnenden Szene und der immer ungehemmter gezeigte Rassismus (gerade jetzt die YouTube-Videos, die die Soldaten selber online gestellt haben) ist durchaus auch Menschen wie Broder geschuldet, die durch ihre ätzenden und existenzvernichtenden Kommentare jegliche Kritik an der Entwicklung zu eben diesen Zuständen unterdrückt haben oder in die antisemitische Ecke abgeschoben haben. Wenn Israel ein Legitimitätsproblem hat (was ich nicht leugnen würde), dann einzig und allein, weil es die Legitimität durch mutwillige und unnötige Kolonisation der den Palästinensern verbleibenden Gebiete außerhalb der Grenzen von 67 auf's Spiel gesetzt hat. Und nun ist es zu spät. Da mag Broder toben, so viel er will, Israels Abstieg ist vorprogrammiert. Er kann stolz auf sich sein, er hat kräftig daran mitgearbeitet.

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  2. Wenn Broder meint, dass jüdische Kritiker anders zu beurteilen sind wie nichtjüdische – siehe das abfällig gemeinte 'koscher' – so stimmt er mit seiner 'exklusiven' Logik mit ganz gewöhnlichen Antisemiten überein.

    Platt gesagt gibt es keinen erheblichen Unterschied zwischen Mahler und Broder.

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