Haben Überlebende der Shoa Grund, sich in Israel sicher zu fühlen?

Alfred Hackensberger bestätigt Aussagen, die bereits in diesem Blog oder auch hier getroffen worden sind:

Im Iran und in Israel stehen [sich] nun nationalistische Hardliner gegenüber, die sich, bei allen ideologischen Differenzen, gegenseitig gut gebrauchen können.

Es ist das Saddam-Hussein-Schema: Ein Wahnsinniger, der dazu noch, wie Ahmadenijad, ein großmäuliger Schwätzer und Narr ist, erfüllt für „westliche“ Hardliner den Zweck, dass letztere von den Gewissens- und Moralinstanzen der veröffentlichten Weltmeinung als zivilisiert und unschuldig wahrgenommen werden können. Umgekehrt gilt bekanntlich ähnliches:

Die Zionisten sind die Inkarnation des Bösen dieser Welt, das einen bis auf die Zähne bewaffneten Iran nötig macht. Die wiederholten öffentlichen Diskussionen der letzten Jahre in Israel, ob und wann man den Iran bombardiert, gelten als Beweise für ein reales äußeres Bedrohungsszenario. Je ernster und öfter dies in der Medienmaschine dargestellt wird, desto mehr treten interne Probleme in den Hintergrund. Wenn die ganze Nation bedroht ist, dann spielen Innenpolitik oder wirtschaftliche Faktoren eine untergeordnete Rolle.

An dieser Stelle kommt meine eigene Sorge um Israel Zuge: Was ist aus diesem Land geworden, dass sich derartig in seine eigene rassistische Siedlungspolitik verstrickt hat, dass vermeintlich nur eine Art von Propaganda hilft, mit der sich Israel selbst auf eine Stufe mit seinen Feinden stellt. Was ist nur aus Israel geworden, dass es sich in seiner Gestalt immer mehr in das verwandelt hat, was es seinen Feinden angedichtet hat? Und was sind ds für Amtsträger und Volksvertreter, die keine Skrupel haben, die Angst der eigenen Bevölkerung für sich arbeiten zu lassen? Die Antiantisemiten und tief besorgten Freunde (der Siedlungspolitik) Israels mögen die „Gefahr“ der Gleichsetzung meinerseits von Shoa und Besatzung wittern – aber die Bibis und Liebermans dieser Welt besorgen das schon selbst. Wer permanent Feinde braucht zur eigenen Identitätsbestimmung, ist nicht besser als diese.
Sei es in Bezug auf die vielen Arten der Unterdrückung von Palästinensern aus „Sicherheitsgründen“, sei es in Bezug auf die Shoa:

Die Anzweiflung der Judenvernichtung im Nazi-Deutschland und die wiederholten anti-semitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten werden von israelischen Politikern als Beweis für die Vernichtungsintention des Irans angeführt. Für Israel hat es propagandistische Vorteile, dass Mahmoud Ahmadineschad iranischer Präsident bleibt. „Sein Extremismus und seine Aufrufe zur Zerstörung Israels“, sagten ranghohe israelische Regierungsangehörige, „haben die internationale Gemeinschaft dazu gebracht, das Nuklearprogramm des Irans zu stoppen.“ Mit einem moderaten Präsidenten, wie Mir Hussein Mousavi, würden diese Versuche wahrscheinlich weniger vehement und langsamer vor sich gehen. Dabei liefe auch unter ihm das Nuklearprogramm ungebrochen weiter wie bei Ahmadineschad. „Unter einem inhaltlichen Blickwinkel macht es keinen Unterschied, wer die Wahl gewann. Aber aus einer informellen Persepektive ist Ahmadineschad das Beste, was uns passieren konnte.“ Feindbilder können eben ganz hilfreich sein und haben gerade in Israel, das sich seit seiner Gründung 1948 in permanenten Kriegszustand befindet, immer wieder Hochkonjunktur: Umzingelt von Feinden, die einen alle ins Meer treiben wollen. Dieses Gefühl der Bedrohung gehe auf den Holocaust zurück, erklärt Tom Segev, der zu den neuen Historikern in Israel zählt. „Es vergeht kein Tag, an dem der Holocaust nicht in irgendeiner Zeitung erwähnt wird“, sagte er. Dasselbe gelte für die Literatur, das Theater, die Kunst, das Schulwesen. „Der Holocaust wird auch als politisches Argument verwendet, dass man Opfer ist.“ Diese Angst sei authentisch, obwohl sie auch über Jahre hinweg stark kultiviert worden sei. „Alle zehn Jahre taucht ein neuer Hitler auf, was im Moment eben vom Iran“ und Mahmoud Ahmadineschad verkörpert werde.

Haben Überlebende der Shoa Grund, sich in Israel sicher zu fühlen? Eigentlich eine anmaßende Frage – im Hinblick auf meinen Sprechort und meine eigene Identität als Nicht-Jude. Israel galt und gilt immer als Zufluchtsort und Bezugspunkt verfolgter Juden.
Meine Analyse dessen, was immer verkürzt als Nahostkonflikt bezeichnet wird, führt mich viel zu oft zu dieser Frage. Sie zu beantworten, fällt mir schwer.

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