Hamas in der Wagenburg

Musa Abu Marzuq, laut taz, „Nummer Zwei der palästinensischen Hamas“, zum geegnwärtigen innerpalästinensischen Konflikt zwischen Hamas und Fatah, zu Oslo und zu weiteren Friedensaussichten in Israel-Palästina:

Eine Einigung hängt zum jetzigen Zeitpunkt von Fatah ab. Hamas hat sich sehr flexibel gezeigt und ist Fatah so weit wie möglich entgegengekommen, aber sie hat sich in keinem Punkt auf uns zubewegt. Fatah besteht auf der Erfüllung ausländischer Forderungen, die mit einem nationalen Dialog nichts zu tun haben. Die gesamte finanzielle Hilfe des Westens an die PLO ist an Bedingungen geknüpft, deshalb ist die PLO gezwungen, westliche Positionen zu vertreten. Das ist unakzeptabel. Es muss bei der palästinensischen Versöhnung um die Interessen unseres Volkes gehen und nicht um ausländische Gelder. Diese sind zum politischen Druckmittel geworden, um die Positionen des palästinensischen Volkes zu verändern. Von früheren Abkommen ist dabei nur noch die Rede, um Hamas unter Druck zu setzen, ansonsten spricht niemand mehr von Oslo, weder Israel noch die USA, nicht mal die PLO. Die internationalen Abkommen beinhalten das Rückkehrrecht der Palästinenser, die Zwei-Staaten-Lösung, Israels Rückzug aus den 1967 besetzten Gebieten, einen Siedlungsstopp und ein Ende der illegalen Landnahme. Alle diese Prinzipien werden von Israel verletzt. Wie können sie von Hamas eine Anerkennung früherer Abkommen fordern, an die sie sich selbst nicht halten?

Nein, ich bin kein Hamas-Verteidiger, und es ist höchstproblematisch, wie es Hamas gelungen ist, sich unter den Palästinensern als Anwältin der wirklichen Bedürfnisse der Bevölkerung zu etablieren und andererseits Fatah so dermaßen in Verruf zu bringen. Zugegeben: Dazu hat Fatah selbst ihren eigenen Beitrag geleistet. Gelinde gesagt, interessant, wie Abu Marzuq in Bezug auf internationale Vereinbarungen bzw. Zusammenarbeit eine Wagenburgmentalität geltend macht: Das Ausland mit seinem Geld gilt als korrupt, aber auch als Druckfaktor.
Insgesamt ein nützliches Zitat, um einen Eindruck über Hamas‘ Perspektive auf den Gesamtkonflikt vermittelt zu bekommen – „in a nutshell“ sozusagen.
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