Avigdor Lieberman – Vorsicht: Heuchler!

Israels Außenminister Lieberman hat – laut Ha’aretz – jenen „Westen“, von dem ich nie so recht weiss, wer oder wo er sein soll, dafür kritisiert, dass er nicht deutlich genug Partei ergriffen habe für die Demonstranten auf den Straßen von Teheran. Die nach seinem Dafürhalten anscheinend nicht ausreichende Bereitschaft „des“ Westens, den Iran zu isolieren – vielleicht sogar mit Sanktionen wie weiland den Irak zu belegen? – bezeichnete er als „bad message“.

„This really fanatic extremist regime is still in power, and the young people who are ready to fight and die for change are not getting any real support from the West,“ Lieberman told TIME. „The fact that this regime continues to be an acceptable partner for dialogue is really a bad message. It shows the bad guys are winners.“

Richtig. Ähnliches ließe sich übrigens auch über Israel sagen. Wenn Lieberman über seinen Staat spricht, tut er das ganz aus der Perspektive jenes Siedlers, der Lieberman ist. Seine Regierung, so erzählt er dem TIME-Reporter (das entsprechende Interview wird in Ha’aretz referiert), ist dabei, mit der US-Regierung ein gemeinsames Übereinkommen bezüglich der Siedlungsfrage zu erzielen.

„We are trying to formulate some understanding with the U.S.,“ Lieberman told TIME. „We don’t speak [with the Americans] of building new settlements. We don’t speak of expansion. We try to build only within existing construction lines.“

Das aber ist ja das Problem – die israelische Regierungen haben auch in den Hoch-Zeiten des Oslo-Prozesses nicht über eine Expansion der Siedlungen gesprochen – diese aber dennoch betrieben. Was Lieberman mit „existing construction lines“ meint, ist ebenfalls nicht klar – vielleicht werden das bald jene palästinensischen Familien erfahren, deren Häuser von israelischen „Sicherheitskräften“ zerstört werden. Dass Lieberman ein echter Menschenfreund ist, beweist das nächste Zitat:

„We cannot suffocate our own people. You know, babies are born. People get married. We cannot stop life. People want to build a synagogue or a kindergarten.“

Tausche das die Wörter „our own people“ mit „another people“ und „synagogue“ gegen „mosque“ – und fertig wäre ein Plädoyer für die Palästinenser. Mit anderen Worten: Willkommen in Takatukaland. Wäre Lieberman ins Amt gelangt, würde er auch nur einen positiven Gedanken an die palästinensische Bevölkerung der Westbank verschwenden? Eben.
Zum Totlachen auch Liebermans Reflexionen über 9/11 –

„With 9/11 and terrorist acts in London, Madrid, Bali, in Russia, I can’t see any linkage with the Israeli-Palestinian problem,“ Lieberman told TIME, adding that the conflict in the region was a „clash of values between civilizations.“

Ich sag lieber nichts mehr. Dass der Typ am Ende noch den Palästinensern mit israelischem Pass anheimstellt zu leben, wo sie möchten, ob in Israel, der Westbank oder wo auch immer – „that’s their right“ – kann ich nur als weiteren und finalen Beleg für Liebermans Doppelzüngigkeit verstehen.
Wie sagt Ricky Gervais in „The Office“: „hypocrite warning!“

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