Uri Avnery über "die Hauptrechtfertigung von Irans Feindseligkeit gegen Israel"

Jeden Sonntag erhalte ich eine Email von der Nahostfriedensaktivistin und Übersetzerin Ellen Rohlfs. Seit den Tagen, in denen ich sie bei Pax-Christi-Kongressen oder Jahrestagungen der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft treffen konnte, nennt sie mich Dieter. Aber so heiße ich gar nicht. Ellen Rohlfs besorgt hauptverantwortlich Woche für Woche die Übersetzung englischsprachiger Artikel von Uri Avnery ins Deutsche. Aufgrund dieser Tatsache dieser großartigen Frau meinen Respekt an dieser Stelle zu zollen, kommt mir fast ein wenig unpassend vor.
Über Uri Avnery müssen wir an dieser Stelle keine Worte mehr verlieren. Der in allen Belangen, außer Israel-Palästina, großartige Klaus Bittermann nennt Avnery einen

„der beliebtesten Juden in der deutschen Linken, die bei jedem Konflikt in Palästina mit Israel scharf ins Gericht geht“

– von Bittermann anders gewollt, ist dies zweifellos eine positive Würdigung des Wirkens des gebürtigen Beckumers (Landkreis Warendorf). Das Schlimmste für Leute wie Bittermann: Avnery macht es ihnen nicht eben einfach, ja er nennt sich selbst sogar einen Zionisten und ist tief besorgt aufgrund der Entwicklungen im Iran – in Bezug auf die Zukunft des Staates Israel. Anders als all die anderen Zionisten und großen Freunde Israels gibt sich Avnery in Bezug auf Mousavi, vielerorts schon als die Symbolfigur eines Teheraner Frühlings gefeierts, nicht allzu vieler Illusionen hin:

Es ist eine offen bleibende Frage, ob mit Mousavi, – falls gewählt – es anders geworden wäre, was uns betrifft. Würde der Iran mit seinen Bemühungen, nukleare Waffen zu produzieren, aufhören? Würde er den palästinensischen Widerstand weniger unterstützen? Die Antwort ist negativ.

Überzeugend, wie Avnery eine Brücke zu schlagen vermag zwischen den Ereignissen im Iran und der gegenwärtigen Situation in Israel-Palästina. Dabei macht er einen Umweg über das neue Washington:

Während der ganzen Krise zeigte Barack Obama eine bewundernswerte Zurückhaltung. Die amerikanische und westliche Allgemeinheit, als auch die Unterstützer der israelischen Regierung beschworen ihn, seine Stimme zu erheben, sich mit den Demonstranten zu identifizieren, eine grüne Krawatte zu ihrer Ehre zu tragen, die Ayatollahs und Ahmadinejad mit eindeutigen Worten zu verurteilen. Aber außer minimaler Verurteilung hielt er sich zurück und zeigte Weisheit und politischen Mut.Der Iran ist, was er ist. Die USA müssen um ihretwillen mit ihm verhandeln – und auch um unsretwillen. Allein auf diese Weise – wenn überhaupt – ist es möglich, seine nukleare Aufrüstung aufzuhalten. Und sollten wir dazu verurteilt werden, unter dem Schatten einer iranischen Atombombe zu leben im Sinne des Gleichgewichts der Abschreckung, dann würde es besser sein, wenn die Bombe in den Händen einer iranischen Führung liegt, die einen Dialog mit dem amerikanischen Präsidenten aufrecht erhält. Und natürlich würde es für uns gut sein, wenn wir – bevor wir an diesen Punkt gelangen – mit der freundlichen Unterstützung Obamas einen vollen Frieden mit dem palästinensischen Volk erreichen und so die Hauptrechtfertigung von Irans Feindseligkeit gegen Israel beseitigen.

Es ist wohl dem Unwillen Avnerys, den Furor der Demonstranten in den Straßen Teherans propagandistisch zu nutzen, dass er Ahmadenijad als Wahlsieger im Iran anerkennt. Denn trotz allem: Es bewegt sich etwas im Nahen und Mittleren Osten.
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