Peres In Kasachstan: "Unsere" Vision?

Die Funktion, die der ewige Friedensengel Shimon Peres als Israels Staatspräsident auszufüllen hat, ist hinlänglich bekannt: Peres soll Israels ewige Sehnsucht nach Frieden und Verständigung mit seinen Nachbarstaaten und der Welt verkörpern, gleichzeitig aber auch die moralische Gutartigkeit des politischen Zionismus‘ repräsentieren. In diesem Blog ist darüber bereits geschrieben worden. Peres fungierte immer auch als Verkörperung des von Israel gegenüber der arabischen Welt immer wieder erhobenen Vorwurfs, diese wollten Israel niemals anerkennen. Nur mit der Hilfe von Leuten wie Peres ist es zahlreichen Israel-Freunden bis heute möglich, von der arabischen Welt bzw. den Palästinensern zu verlangen, Israel bzw. das Existenzrecht Israels „endlich“ anzuerkennen, obwohl dies bereits etliche Male geschehen ist. Gut, dass es Banden wie Hamas bzw. Schwätzer wie Ahmadenijad gibt, die den Mythos von der arabischen Intransingenz aufrecht erhalten helfen. Wie sagt Heinz Kobald:

Es prägt sich ein, daß Israel zerstört werden soll. Das soll die Forderung nach dem Existenzrecht für Israel verständlicher werden lassen. Es wird zum generellen Thema des Nahen-Ostens. Jeder soll es begreifen, daß wieder Juden zum Opfer werden.
Das Existenzrecht Israels ist jedoch keineswegs der entscheidende Faktor für einen Frieden in Palästina.

Nun hat es einen Religionskongress gegeben. In Astana, der Hauptstadt von Kasachstan, einer von Staatspräsident Nursultan Nasarbajew „autoritär“ regierten Ex-Sowjetrepublik. Mit anderen Worten: Kasachstan ist eine Diktatur, aber eine prowestliche. Hagalil berichtet, dass Shimon Peres auf ebendiesem Kongress sprach – natürlich nicht, ohne dass iranische Delegierte ihre total authentische Abneigung zeigten. Die Frage aber bleibt: Was sucht ein seit jeher säkularer, technokratisch veranlagter (vgl. Avi Shlaim, The Iron Wall) Ben-Gurion-Adlatus wie Peres auf einem Religionskongress? Ganz einfach. Peres tat, was ihm sein Amt geheissen:

In seiner Ansprache rief Peres zum Frieden auf. Leider gebe es eine Minderheit, die einen Gott verehre, der “Massaker erlaubt, Gräueltaten vergibt und seine Gläubigen dazu aufruft, zu zerstören, zu töten, zu lügen und zu ruinieren”. Dies sei eine Verleumdung Gottes. “Das ist keine Religion, das ist ein Verbrechen, ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit. Wir müssen Religion vom Terror trennen. Das sollte das gemeinsame Streben aller Gläubigen sein, ungeachtet ihres Glaubens, ihrer Überzeugung und ihres Geschlechts”, so Peres. “Ich habe kürzlich mit seiner Heiligkeit dem Papst gesprochen, als er das Heilige Land besucht hat, und er unterstützt diese Bemühung. Sein Besuch fand zu einer Zeit statt, in der unsere Wissenschaftler die Entwicklung einer neuen Weizensorte abgeschlossen hatten. Diese hat vier Ährenköpfe, statt einem. Wir nennen ihn angereicherten Weizen. Die Menschen sollten lieber Weizen anreichern statt Uran.”

Wie schön. und so allgemeingültig. Peres begründet sein Recht, auf einem Religionskongress in einer befreundeten Diktatur zu sprechen, mit einem Gespräch, das er mit Papst Benedikt XVI. geführt hat. Und was hätte dieser gegen die Trennung von Religion und Terror einwenden können? Nun, vielleicht hätte er von Shimon Peres, einem der maßgeblichen Förderer des Siedler(un)wesens in von Israel besetzten Gebieten nach 1967, verlangen können, dass Israel in dieser Frage mit Taten, statt mit hehren Worten glänzen solle.
Peres, der mit dem Ticket des von Terroanschlägen stets und ewig heimgesuchten, kleinen Israel das Ende des religiös motivierten Terrors heraufbeschwor, hätte – in Zeiten, in denen die US-Regierung von Israel einen „settlement freeze“ verlangt und erwartet – mit wirklich einmal seiner Rolle als Friedensengel gerecht werden können. Ein Wort der Verurteilung der Untaten religiöser Fanatiker unter den Siedlern hätte u.U. schon viel bewirken können.
Aber ich bin unrealistisch.
Was aber wirklich stört, ist der paternalistischen Attitüde, mit welchem Peres bzw. Hagalil etwa glauben, über die Friedensinitiative der (ja ebenfalls autoritären) Saudis sprechen zu können:

Israel sei sich dessen bewusst, dass sich die Haltung vieler arabischer Länder hinsichtlich eines Friedens mit Israel verändert habe. Dem früheren “nein zu Verhandlungen, nein zur Anerkennung, nein zum Frieden” stünde nun die saudi-arabische Friedensinitiative gegenüber. “Zusammen mit anderen arabischen Führern werden wir alle in der Lage sein, unsere Vision zu verwirklichen”, sagte Peres an den saudi-arabischen König gewandt.

„Unsere“ Vision? Was meint der Mann damit nur? Der saudische Friedensplan als einzig relevante Korrektur des dreifachen Nein arabischer Staaten im Ausgang des Sechstagekrieges 1967? Musste Sadat dafür sterben? Mussten Palästinenser dafür im Schwarzen September 1970 von den Schergen des jordanischen Königs Husseins ermordet werden? Aber das sollte man Shimon Peres lieber nicht fragen. Der Mann hat es nicht so mit Fakten, sondern eher mit Propaganda.

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2 Gedanken zu “Peres In Kasachstan: "Unsere" Vision?

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