Avigdor Liebermann: Vom Außen- zum Hasbara-Minister?

Nun ist es nicht mehr geheim – das Geheimtreffen, das Israels Außenminister Liebermann vergangene Woche in Jerusalem für Mitarbeiter seines Ministeriums einberief. Liebermann will den Focus der Arbeit des Außenministeriums verlagern. Sich auf Ha’aretz berufend, berichtet Hagalil:

Die zentrale Botschaft Liebermanns an die Teilnehmer lautete: Anstatt sich so intensiv mit den Palästinensern zu befassen, sollte sich das Außenministerium auf eine internationale Kampagne gegen den Iran konzentrieren, sowie auf öffentliche Diplomatie, die die Position Israels in der Welt verbessert.
[…] Das Treffen dauerte einige Stunden, und es nahmen 15, von Generalsekretär Yossi Gal sorgfältig ausgewählte Diplomaten daran teil. Aussenminister Liebermann, sein Vize, Dani Ayalon, und Yossi Gal betonten bei dem Treffen, Ziel der Reform sei es zu überprüfen, was die Aufgabe des Außenministeriums im Hinblick auf die Lage in der internationalen Gemeinschaft heute sein sollte, und als Ergebnis dieser Überprüfung die Verteilung der israelischen Vertretungen im Ausland zu ändern, wie auch die Struktur des Außenministeriums in Jerusalem. Liebermann betonte, er werde sich persönlich an dem gesamten Prozess beteiligen.

In Zukunft will Liebermann sich nicht mehr mit Fragen der israelischen Palästinenserpolitik auseinandersetzen müssen. Dies zu tun, soll Aufgabe von Verteidigungsministerium, Armee und Geheimdiensten sein. Das Außenministerium wird sich demnach um „öffentliche Diplomatie“ kümmern. Mit anderen Worten: Das Außenministerium soll Hasbara-Ministerium werden.

Eine der Ideen lautet, eine Über-Abteilung für öffentliche Diplomatie einzurichten, die unter sich die Aufklärungs- und Medienabteilungen vereint, die kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen, wie auch die Zentrale für internationale Zusammenarbeit, die sich mit der Hilfe für Länder der Dritten Welt befasst.

Besonders interessant in diesem Zusammenhang auch der Vorschlag des Stellvertretenden Leiters der Abteilung für Aufklärung im Außenministerium, Avir Shir-On, Diplomaten mit der Aufgabe zu betrauen, „sich mit Aufklärungsarbeit über Facebook, Youtube und Twitter“ zu befassen.

Eine weitere Idee auf dem Bereich der öffentlichen Diplomatie war es, die iranische Bedrohung in der Aufklärungsarbeit stärker hervorzuheben. Es wurde der Vorschlag unterbreitet, einen besonderen „Projektleiter“ zu ernennen, der sich mit dem Thema befasst und ein separates Budget von einigen Millionen Dollar erhält, um die Aufklärungsarbeit gegen den Iran über die israelischen Vertretungen in aller Welt zu leiten.

Substantieller Kern einer solchen Aufklärungsarbeit: „Bom bomb bomb bomb bomb Iran“.
Israelische Außenpolitik, wenn nicht damit befasst, immer dann vor einem sog. „neuen Antisemitismus“ zu warnen, wenn die Armee mal wieder „Operationen“ gegen libanesische oder palästinensische Zivilisten durchführt, scheint in der Tat in wenig anderem zu bestehen, als die Kriegstrommel gegen zahllose Nachfolgestaaten des Dritten Reichs zu rühren.

Auch der Kontakt zu jüdischen Gemeinden, so heisst es in dem Text, in der Diaspora soll weiter intensiviert werden. Auch zu Ländern, die im Zuge der Globalisierung immer mehr zu den aufstrebenden Staaten gezählt werden, soll die Verbindung verstärkt werden:

Brasilien, Russland, Indien und China. Dafür sollen neue Vertretungen in diesen Ländern eröffnet werden, wie z.B. die Vertretungen, die in Kürze in Sao Paulo und St. Petersburg eröffnet werden.

Man fragt sich, wozu. Um den Hass auf Perser und Araber in alle Welt zu tragen?
Was für ein Aufwand – dafür braucht es natürlich manpower und womanpower.

Die Reform wird in den Etatzuschuss eingegliedert, den das Außenministerium erhalten hat, wie auch einige der 100 neuen Stellen in Anspruch nehmen, darunter 40 für professionelle Diplomaten, die dem Ministerium zugeteilt wurden, um neue Vertretungen im Ausland eröffnen oder existierende erweitern zu können.

Tja, liebe Israel-Fans, Antideutsche und christliche Zionisten – die Ihr Euch grämt, dass niemand Eure Blogs liest bzw. Euch mit der harten Realität der wirklichen Welt konfrontiert. 60 Stellen – und bestimmt zahlreiche Sub-Jobs – wären noch offen. Und, da sich Avigdor Liebermann ja so um das schlechte Image Israels in der Welt besorgt zeigt, besteht doch bestimmt die Möglichkeit, als Aushilfspraktikant des Internet-Redakteurs irgendeiner israelischen diplomatischen vertretung oder Botschaft Eurem Lieblingsstaat zu dienen. Wäre das nicht fabelhaft?
Ihr müsstet halt damit leben, ganz offiziell als Mitarbeiter des Hasbara-Apparats, als Propaganda-FunktionärInnen angesehen zu werden-und nicht als kritische Geister, die ihre sekundäre Paranoia als Ausläufer der Kritischen Theorie oder der Frohen Botschaft zu verkaufen versuchen. Aber, das kriegt Ihr hin. Bei der Vorbereitung des israelischen „D-Day“ gegen den Iran (und dessen Zivilbevölkerung, die von Israel gerade noch so gelobt wurde) müssen Kräfte gebündelt werden.

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