Netanyahus Verwirrtheit und Paranoia

Jüdische Kritiker israelischer Politik, wenn sie nicht, wie mittlerweile nicht unüblich geworden, als Antisemiten aufs Abstellgleis gestellt werden, müssen damit leben, dass Apologeten besagter Politik sie als „self-hating Jews“ bezeichnen. Wenn einem die Argumente ausgehen, scheint es immer ein probates Mittel zu sein, den jeweils anderen persönlich anzugehen. Israels Premierminister Netanyahu, dem ja, wie hier schon verschiedentlich berichtet, ein ums andere Mal die Pferde druchzugehen bzw. die Felle davonzuschwimmen scheinen, hat nun den vielbeschworenen Vogel abgeschossen. Barak Ravid beschreibt die furchtbare Atmosphäre und das Arbeits-Chaos innerhalb der gegenwärtigen israelischen Regierung, sowie die Verwirrtheit und Paranoia, die den Chef vons Ganzen umgibt:

Netanyahu appears to be suffering from confusion and paranoia. He is convinced that the media are after him, that his aides are leaking information against him and that the American administration wants him out of office. Two months after his visit to Washington, he is still finding it difficult to communication normally with the White House. To appreciate the depth of his paranoia, it is enough to hear how he refers to Rahm Emanuel and David Axelrod, Obama’s senior aides: as „self-hating Jews.“

Dürfen sich Leute wie Noam Chomsky, Marc H. Ellis, Jeremy Milgrom oder Norman Finkelstein nun geehrt fühlen?
Und was ist davon zu halten, dass Netanyahu gegenüber seinem Gesprächspartner, Bundesaußenminister Steinmeier, erklärte, ein „Einfrieren“ der Siedlungen käme nicht in Frage, denn „Judäa und Samaria dürfen nicht judenrein sein“, das weiss nicht einmal die neueste letzte Hoffnung der SPD. Sagt der Kölner Stadtanzeiger:

Auf die Frage, wie Steinmeier auf die Äußerung Netanjahus reagierte, sagte der Vertraute: „Was sollte er tun? Er hat im Grunde genickt.“ Der Vertraute sagte auch, Netanjahu habe seinen Kabinettskollegen nahegelegt, denselben Begriff zu nutzen, wenn sie die Siedlungen verteidigten oder Israels Beharren darauf, dass es von den Palästinensern als jüdischer Staat anerkannt wird.

Hmmm – und welche propagandistischen Methoden stehen dann noch Außenminister Liebermann zur Verfügung? Der will doch die Arbeit seines Ministeriums auf das gezielte Verteufeln und Dämonisieren des Iran verlagern. Ach egal, ihm wird schon was einfallen. Interessant jedenfalls, wie der KStA nach wie vor versucht, Israels Regierungschef irgendeine Art von Vernunft bzw. seinem Handeln Logik zu unterstellen:

Netanjahus Verwendung des Begriffs aus der Nazi-Sprache ist in Israel nicht unumstritten. Ein Diplomat äußerte die Vermutung, der Ministerpräsident versuche durch solch drastische Rhetorik, Falken innerhalb seiner Regierungskoalition zu beruhigen, weil er jüngst im Grundsatz der Schaffung eines entmilitarisierten Palästinenser-Staats zustimmte. „Netanjahu hat das getan, was lange Zeit für einen Likud-Anführer undenkbar war. Also muss er jetzt starke Worte gebrauchen“, sagte der Diplomat.

In Teilen der amerikanischen Blogosphäre sorgen Bibis Kapriolen für Heiterkeit und helle Freude.

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