Marwa, Merkel und Steinmeier oder: Über die Kaltblütigkeit von Politikern

Die Kaltblütigkeit von Politikern wird immer dann besonders offenkundig, wenn das Leid von Menschen auf die Ebene der Staatsräson abgeschoben wird. Als Anfang der 1990er Jahre die Feuer in den Asylbewerberheimen des wiedervereinigten Deutschlands brannten, gezündet von „aufgebrachten“ Deutschen mit „berechtigten Sorgen und Anliegen“ (damalige Sprachregelungen in Medien und Politik), war ich erschrocken, dass Vertreter der damaligen Bundesregierung ausschließlich vom beschädigten Ansehen Deutschlands zu sprechen bereit waren.
Ähnlich geht es mir im Fall der ermordeten Marwa El-Sherbini. Musafira spricht mir aus der Seele.

P.S.: Gehe ich zu weit, wenn ich zu Protokoll gebe, dass ich es unangemessen finde, wenn der Perlentaucher lediglich darauf hinweist, Marwa El-Sherbini sei getötet worden?

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4 Gedanken zu “Marwa, Merkel und Steinmeier oder: Über die Kaltblütigkeit von Politikern

  1. In diesem Falle wird es halt auch besonders deutlich, weil jede offizielle deutsche Reaktion erst *nach* dem offenkundlich werdenden Zorn der ägyptischen Öffentlichkeit erfolgte. Anders gesagt: Wäre alles ruhig geblieben, hätte Steinmeier natürlich auch nichts gesagt.

    Lobenswerte Ausnahme hier, auch wenn ich sonst nicht mit ihm einer Meinung bin: Herr Kramer vom Zentralrat der Juden.

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  2. Kramer hat sich auf Qantara.de u.a. wie folgt geäußert:
    "Ich bin nicht nach Dresden gefahren, weil ich als Jude Angehöriger einer Minderheit bin. Ich unternahm die Reise, weil ich als Jude weiß: Wer einen Menschen wegen dessen Rassen-, Volks- oder Religionszugehörigkeit angreift, greift nicht nur die Minderheit, sondern die demokratische Gesellschaft als Ganzes an.
    Deshalb ist nicht die Frage relevant, warum ein Vertreter der jüdischen Gemeinschaft Elwi Ali Okaz seine Trauer und Solidarität bekundete, sondern die, warum es nicht auch einen massiven Besucherstrom oder Solidaritätsadressen von Vertretern der deutschen Mehrheitsgesellschaft gab?"

    So etwas finde ich stark!

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  3. Kramer hat sich für die mörderische Strafaktion in Gaza eingesetzt, daran mitgewirkt Solidaritätsaktionen für die Menschen in Gaza zu dikreditieren, sich an der Hexenjagd auf all jene beteiligt, die es wagen den Zionismus zu verurteilen und er wirkt aktiv daran mit den Unterschied zwischen Judentum und Zionismus einzuebnen.

    Wenn Kramer – der loyale Wächter eines Staates, der Millionen Menschen wegen deren 'Rassen-, Volks- oder Religonszugehörigkeit' in einer unfasslich perfiden Art und Weise ausraubt und misshandelt – sich als Vorbild in Sachen Menschen- und Bürgerrechten aufführt, dann ist das der Gipfelpunkt an Heuchelei.

    So jemanden 'stark' zu finden demonstriert vor allem die eigene politisch/moralische Kurzsichtigkeit.

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