Warum ist Felicia Langer wichtig? Warum sind Broder, Friedman und Giordano wichtig?

Ehrlich gesagt weiss ich gar nicht, ob ich so ein Fan von Felicia Langer bin. Ich erlaube mir, an dieser Stelle mal unfair zu sein: Ich schließe ganz einfach mal von ihren zahlreichen Anhängerinnen und Anhängern auf sie. Lauter enttäuschte Philosemiten, die sich, weil Israel ihren romantischen Vorstellungen und Befindlichkeiten nicht entsprechen wollte, mit umso größerem Konvertiteneifer dessen annehmen, was sie als die Sache der edlen Palästinenser verstehen. Eine Frau wie Felicia Langer dient dieser Klientel an Nahost-Interessierten schon lange als perfekte Projektionsfigur. Eine Jüdin, die „uns Deutschen“ durch ihr eigenes Zeugnis – gewollt oder nicht – die Erlaubnis erteilt, Israel zu kritisieren. Nur fragt man sich dabei immer wieder: Warum immer den Umweg über solche Identifikationspersonen wählen? Warum die Chomskys, Finkelsteins, Langers und Avnerys dieser Welt vereinnahmen, wenn man doch auch ebenso beredte Stimmen gibt, die nicht als Anwälte oder Fürsprecher, sondern als Opfer und Beteiligte aus erster Hand vom Unrecht der israelischen Besatzung erzählen können? Warum nicht von vorn herein auf Palästinenser hören? Nicht dass ich diese Frage beantworten könnte. Sie stellt sich mir halt besonders spürbar, wenn ich an eine – sicherlich verdienstvolle – Autorin wie Felicia Langer denke.
Der Aufschrei der Indigniertheit, der von Teilen der ach so aufgeklärten Teilen der hiesigen Öffentlichkeit im Zusammenhang mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Langer vernommen werden wollte, soll wahrgenommen werden als ein Aufschrei der Anständigkeit. Mit der Wirklichkeit in Israel-Palästina hat er genauso wenig zu tun wie die Faszination, die bei zahlreichen deutschen Israel-Kritikern von Langer und Co auszugehen scheint. Warum ist es wichtig, dass ein Ulrich Sahm über negative Reaktionen aus Israel berichten darf und dabei Leute zu Wort kommen lässt, deren Einstellung zu Israel, um es midle zu formulieren, einen recht deutlichen Hang zum Totalitarismus erkennen lassen:

Die Ehrung Langers sei ein „böswilliger antisemitischer Akt“. Deutschland positioniere sich als „Feind des jüdischen Volkes“. Das werde Konsequenzen haben, meint David Kaplan. Erich aus Deutschland warnt die „schlafenden und blinden Juden Europas“ vor dem „Zeichen an der Wand“, wenn Leute wie Daniel Barenboim, Langer oder ein französischer Professor, der behauptet, es gebe das jüdische Volk gar nicht, mit Auszeichnungen überschüttet würden. Im gleichen Sinne ruft Makevet aus Israel ihre „Brüder und Schwestern“ in Deutschland und Europa auf, nach Israel zu kommen, solange sie die Wahl hätten. „Lasst Europa in seinem eigenen Saft schmoren…Wer konstruktive Kritik hat, sollte heimkommen, es aussprechen und helfen, uns zu verbessern.“ Maria fragt unter der Überschrift „Selbsthassende Juden“, wieso es nicht einen einzigen Araber oder Moslem gebe, der Hamas, Hisbollah, den militanten Dschihad oder den expansionistischen Islam kritisiere. Raymond aus den USA bedauert, dass Kritik an Israel als „Zeichen für Mut“ gelte und Grund sei, Langer mit einer Medaille zu ehren. Für Renny aus Israel sind Langers Ansichten „schlimmer als die des Ahmadinidschad“, weil sie Jüdin sei. Nehama Purta aus Israel erinnert an die Zeit, als Anwältin Langer vor Gericht die schlimmsten palästinensischen Terroristen vertreten habe. Außerhalb des Gerichtsaals habe sie Abscheu über Israel geäußert, das damals seine „sozialistische Phase“ durchmachte, weil es „zu kapitalistisch“ sei. Daraufhin sei Langer erst einmal in die USA (sic) ausgewandert. „Sie ist gestört. Ebenso Deutschland.“

Warum ist es wichtig, was Leute wie Broder, Friedman oder Giordano, die sich in letzter Zeit ausreichend selbst desavouiert haben, über Langer sagen? Soll Giordano sein eigens Bundesverdienstkreuz doch einfach zurückgeben. Wen würde das stören? Ehrlich gesagt, geht es Leuten wie diesen sicherlich nicht wirklich um Fragen nahöstlicher Tagespolitik. Es geht auch nicht darum, was eine Felicia Langer oder ein Uri Avnery einmal gesagt oder verschwiegen haben sollen. Worum es wirklich geht, ist doch die Frage: Wer setzt wem die Brille auf? Anders ausgedrückt: Wer hat die Deutungshoheit im hiesigen, ach so deutschen, Nahostdiskurs? Es geht um nichts anderes als Diskursdominanz.
So lange verschnupften und verwirrten Geistern wie Friedman, Broder und Giordano auch nur die geringste Bedeutung beigemessen wird – wen sollte es da wundern, dass man hierzulande über das, was wirklich abgeht in Israel-Palästina, eben nicht aus den Organen der Leitmedien erfährt?

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