Nahost-Debattenkultur im Kindergarten

In der taz ein inhaltlich schlimmer Bericht über direkte Folgen israelischer Siedlungspolitik – in Ostjerusalem:

Seit vier Tagen schläft Maher Hannoun auf der Straße. Auf dem Bürgersteig mitten zwischen zwei Hauptverkehrsstraßen. Hier legt er allabendlich die rund 20 Matrazen für sich und seine Familie aus, seit ihn die Polizei aus seinem Haus vertrieben hat. „Sie sind um 5 Uhr morgens gekommen“, sagt er. „Innerhalb von wenigen Minuten waren wir alle draußen. Sie drohten uns mit Schlagstöcken und gaben den Frauen noch nicht einmal Zeit, ihre Kopftücher anzulegen.“

Die Sicherheitsleute räumten die Wohnungen aus und transportierten das gesamte Hab und Gut der Familie auf eine Müllhalde. Noch am Morgen zog eine Gruppe junger israelischer Siedler ein. „Schimon HaZadik“ (Simon der Gerechte) nennen sie das Viertel, in das noch mehr Siedler ziehen wollen.

Geschmackvoll wie eh und je, fragt Ivo Bozic einige Tage zuvor: „Siedeln, warum nicht?“ – und empfiehlt die Lektüre eines Textes aus Lizas Welt. Bosic liefert ein Zitat, aus dem nichts anderes hervorgeht als der nicht ausgesprochene Anspruch, dass Befindlichkeiten und nicht erhobene Forderungen weit wesentlicher zu sein scheinen als die vielbeschworene Wirklichkeit vor Ort:

“Von Israel wird selbstverständlich verlangt, ein multinationaler Staat zu sein, in dem Araber als gleichberechtigte Bürger ihren Platz haben. Fast niemand hingegen – erst recht kein palästinensischer Politiker – erhebt die nicht minder selbstverständliche Forderung, dass in einem zukünftigen Palästina auch Juden leben können müssen, wenn sie es wollen.”

Beide Zitate nebeneinander gelesen – und einem wird Vieles klar über hiesige Nahost-Befindlichkeiten und Nahost-Debattenkultur. Jedes Kindergartenkind müsste sich beleidigt fühlen.

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