Peace Now’s Yariv Oppenheimer findet trostreiche Worte für Fatah

Yariv Oppenheimer von Peace Now findet zu Anfang seines Artikels in Ynet brillante Worte zur Bethlehemer Fatah-Konferenz:

What great disappointment and what a blow to peace-lovers: The Fatah Congress that convened in Bethlehem did not recognize Israel as a Jewish state, did not adopt Hebrew as an official language, and did not end with the singing of Israel’s national anthem. The Palestinians have remained the same; a beaten and persecuted people seeking independence alongside Israel, but without recognizing or endorsing the Zionist idea and the principals of the Jewish State. Those who thought that the Palestinians are on the verge of joining the World Zionist Congress and pledging allegiance to the State of Israel can find reasons for disappointment.

Da fragt man sich zunächst wirklich: Was sollen das für Friedensliebende sein, die ernsthaft der Meinung sind, Palästinenser sollten Israelis werden! Dann aber erinnert man sich an Edward W. Said, der in seinem Zorn über Yassir Arafats Bereitschaft, sich auf jenen Deal mit Israelis und deren amerikanischen Fürsprechern einzulassen, den man heute als Oslo-Prozess bezeichnet, sinngemäß fragte, wann man in Tel Aviv Arafat ein Denkmal setzen werde. Und man denkt an zahllose israelische Politiker, die seit dem Beginn der Zweiten Intifada Krokodilstränen darüber vergossen haben, das es bei den Palästinensern keinen „Partner für den Frieden“ gebe. Last but not least kommt einem Bibi Netanyahu in den Sinn, der von den Palästinensern bekanntermaßen fordert, diese mögen Israel als Jüdischen Staat anerkennen – und damit alle eigenen Ansprüche aufgeben und die israelische Sicht der Dinge akzeptieren. Solche Friedensliebende wollen, dass die Palästinenser werden wie Khaled Abu Toameh, Journalist für die Jerusalem Post und gernverlinkte Referenzquelle in solchen Friedensportalen wie Achse des Guten oder Honestly Concerned – ein Palästinenser, der bereitwillig die Propaganda der israelischen Rechten verbreitet. Für diese Art von Friedensengeln bietet der Fatah-Kongress schlechte Nachrichten. Für jene, die es doch mehr mit der Realität halten, gibt es Zeichen der Hoffnung zu vermelden:

Yet those who wish to look at reality in a frank and honest manner can see the Fatah Congress as an unprecedented positive sign of the Palestinian people’s willingness and ability to secure peace with the State of Israel, while renouncing the realization of the right of return to Israel.

Frieden mit Israel: Okay. Aber kein Frieden, der mit der Aufgabe sämtlicher palästinensischer Forderungen einhergeht, deshalb habe ich so meine Probleme mit dieser Passage: „Renouncing the realization of the right of return to Israel„? Ist sich Oppenheimer da sicher, dass die Fatah auf ihrem Kongress dem Rückkehrrecht „nach Israel“ abgeschworen hat?
Oppenheimer konzidiert, dass es momentan sehr schwierig sein muss, Fatah-Mitglied zu sein: Die Besatzung dauert an, die Zahl der Siedler steigt und steigt, seit einigen Jahren frisst sich eine Mauer – der Grünen Linie zum Trotz – durch palästinensisches Gebiet, der Aufbau einer palästinensischen Zivilgesellschaft ist bislang gescheitert, und den Widerstand gegen den Besatzer Israel repräsentieren von innerhalb der Besetzten Gebiete (auf den ersten Blick) Hamas und von außerhalb Hezbollah. (Oppenheimer übergeht hier die wöchentlichen gewaltfreien Anti-Mauer-Proteste in Bi’ilin.) Fatahs Festhalten an der Strategie, mit Israel auf dem Wege von Verhandlungen einig zu werden, hat ebenfalls bisher nichts Gutes für die Palästinenser erbracht. In den Augen vieler Palästinenser hat sich Fatah, so Oppenheimer nicht zuletzt deshalb als authentische Stimme der Palästinenser desavouiert. Kurzum:

At times, being a Fatah member is worse in Palestinian eyes than being a leftist is perceived in the eyes of some Israelis.

Und auch künftig, so Oppenheimer dürfte sich die Situation für Fatah nicht wirklich erleichtern:

Meanwhile, Netanyahu and his ministers continue to talk about Jerusalem as a non-negotiable issue, and promise the Palestinians, at best, demilitarized autonomy in certain cantons across the West Bank, to be referred to by the code-name “demilitarized Palestinian state.” In the face of Israeli declarations and policies, Fatah members are perceived as soft bleeding hearts who lead their people to a continuation of life under occupation. On the question of the State of Israel’s’ Jewish identity, the Palestinians seek to recognize the State of Israel alongside a Palestinian state, but are unwilling to deal with Israel’s domestic definition as a Jewish State and thereby turn their backs to their brothers residing within the Green Line. Those who wish to thwart any talks to begin with will continue to demand that the Palestinians recognize Israel as a Jewish State.

Oppenheimer scheint Mitleid zu haben und erinnert an Ende seines Artikels nochmals daran, dass man Fatah nicht verwechseln dürfe mit einer Ansammlung von Kollaborateuren und Israel-Fans.

The Bethlehem conference brought together the leaders of the national Palestinian struggle who believe peace with Israel is possible and desirable, and that the secular and moderate Palestinian liberation movement should be leading the Palestinians to independence.

Ein lebensfähiger, demokratischer und säkularer Staat Palästina, darin besteht weiterhin Fatahs Ziel. All jenen zum Trotz, die etwas Anderes behaupten – seien es (pro)israelische Schwulenaktivisten oder vermeintlich (pro)palästinensische Hamas-Fans. Und trotz Dahlan! Überhaupt Hamas und Co: Nicht zuletzt stellt Fatah nach Oppenheimers Einschätzung die wichtigste Alternative dar zu einer

zealous religious leadership that views violent Jihad as the main means in the struggle against Israel.

Mit anderen Worten: Der Kampf ist nicht beendet. Darin besteht nach Oppenheimers Dafürhalten das Hoffnungszeichen, das von Bethlehem her „in alle Welt strahlt“.
Ich bin mir sicher, dass sich, sobald sich auf israelischer Seite Partner für den Frieden finden, sich auch Hamas als das herausstellen wird, was es ist: Eine Mogelpackung, im wahrsten Sinne des Wortes eine Räuberpistole, die nichts Anderes kann als auf Gewalt zu setzen und sich die Realität nicht anders denken kann, weil sie nicht anders sein darf.

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