Die Siedlungsfrage und der Zionismus Deutscher ChristInnen

Der stellvertretende Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke, hat gestern vor der Bundespressekonferenz „Bewegung in der Siedlungsfrage“ als Voraussetzung für „Fortschritte auf dem Weg zum Frieden im Nahen Osten“ benannt:

Es ist so, dass es noch keine abschließende Bewegung in der Siedlungsfrage gibt. Sie wissen, dass wir – genauso wie unsere Partner und auch die Amerikaner – im Vorfeld sehr deutlich gemacht haben, wie wir die Siedlungsfrage derzeit beurteilen, dass wir in der Siedlungsfrage eines der größten Hindernisse dafür sehen, dass eine erfolgreiche Zwei-Staaten-Lösung auf den Weg gebracht werden kann und dass es in dieser Siedlungsfrage zwingend Fortschritte geben muss, um Fortschritte auf dem Weg zum Frieden im Nahen Osten zu erreichen.

Dass die Realisierung einer Zwei-Staaten-Lösung von der Bundesregierung als der Schlüssel zum Frieden angesehen wird, muss nicht mehr extra erwähnt werden.
Ein Bericht zu den Aussagen Peschkes sorgte in Ynet für ein bestenfalls als „geteilt“ zu bezeichnendes Echo. Interessant, wie relativ dürre Aussagen eines Vertreters des Auswärtigen Amts derartig emotionale Reaktionen erzeugen können. Sehr bezeichnend ist Talkback Nr. 8 („Apologies“), in welchem eine Dorothea Killus sich – allem Anschein nach im Namen des deutschen Volkes – bei… ja, bei wem? Bei den Lesern von Ynet? Bei der israelischen Regierung? Bei der israelischen Bevölkerung? – jedenfalls entschuldigt. Verbunden damit ein Bekenntnis zur bedingungslosen Solidarität mit Israel und ein Hinweis, dass besagte Frau Killus ihre politischen Überzeugungen mit ihrem christlichen Glauben begründet [entsprechende Passagen in fetten Lettern]:

My sincere apologies for the way in which Germany seeks to put its „special obligation“ into practise in the case of the so-called „settlements“ in the context of the idea of a two-state-solution. The blindness on several levels is most troubling, as well as the obvious contradictions. „Special obligation“ means a one-fold obligation. There are Christians who pray earnestly for our government in Germany in this respect, wishing the politicians the badly needed discernment.

Ehrlich gesagt, ist es mir ziemlich egal, wenn israelische Anhänger der Siedlerbewegung immer dann, wenn das Thema Siedlungen auf den Tisch kommt, reflexartig ihre eigene Interpretation liefern. Das machen sie ja immer so. Jeder, der nicht vor Begeisterung platzt ob des Landraubs, ist bekanntlich nachmaliges Mitglied der Waffen-SS. Das Entschuldigungsschreiben der Frau Killus hingegen, so es sich um einen ernstgemeinten Beitrag handelt, ist ein Schulbuchbeispiel für den Umgang mancher Deutscher ChristInnen – und als solche will die Autorin der entsprechenden Zeilen offenbar gesehen werden – mit dem Thema Nahost. Alle Welt schüttelt den Kopf über christliche Zionisten made in USA. Wann wird die hiesige Szene zum Thema? Ein Anfang scheint ja immerhin gemacht.
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