Stephan Grigat ihm sein Dezisionismus

Pünktlich zum Erscheinen einer neuen Biographie Carl Schmitts, einem der Kronjuristen des Nationalsozialisten und „Vater“ des Begriffs einer politischen Theologie, sowie Stifter der Idee des Dezisionismus, fordert Stephan Grigat in seinem – vom Titel her an Kohelet gemahnenden – Text „Zeit der Entscheidung“ die Weltöffentlichkeit auf, sie möge sich endlich entscheiden zwischen Israel und dem Iran. Schmitt definierte das Politische als fortwährende Bestimmung von Freund und Feind. Bei der Frage nach dem politischen Souverän war für ihn der Fall klar:

Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.

Mit anderen Worten: Wer entscheidet ist souverän bzw. wer andere davon zu überzeugen vermag, dass es da etwas gebe, wofür oder wogegen man sich zu entscheiden hätte, hat die Welt in seinen Händen.

Wie lange ist es her, da man meinte, Solidarität mit Israel bedeute, für den Frieden zu sein. Ein Stephan Grigat  sieht das anders. Für ihn bedeutet Solidarität mit Israel, ebendiesen Staat auf eine Stufe mit dem Iran zu stellen – und dann die Welt vor eine Entscheidung zu stellen: Iran oder Israel?  Grigats Standpunkt („Bomb bomb bomb bomb bomb Iran“) ist vollkommen uninteressant, denn die Argumente die er für Israel anfügt, könnte er größtenteils auch zu Gunsten des Iran äußern, und die Dinge, die er gegen die islamische Republik zur Geltung bringen möchte, sind auch schon über Israel gesagt worden.Alles austauschbar und somit Blendwerk, wenn nicht gar ein „Gaukelgewächs“(Jesaja)

Man könnte – bis auf wenige Ausnahmen –  in Grigats Text einfach die Begriffe Israel und Iran miteinander vertauschen  – und es würde nicht viel ausmachen, nur dass aus einem pro-israelischen Pamphlet voller anti-iranischer Ressentiments ein anti-israelischer voll mit anti-israelischen Klischees würde. Nehmen wir diesen Absatz:

Sollte es in den nächsten Monaten nicht zu einem fundamentalen Wandel der bisher praktizierten Appeasement- und Kollaborationspolitik des Westens und insbesondere Europas kommen, steuert die Welt in jedem Fall auf ein fürchterliches Szenario zu: Entweder akzeptiert sie die iranische Bombe oder der jüdische Staat sieht sich, vom Rest der Welt völlig im Stich gelassen, zu Militärschlägen gegen die iranischen Nuklearanlagen genötigt. Ersteres würde zu einem nuklearen Wettrüsten in der Region führen und jegliche Hoffnung auf einen Sieg der iranischen Freiheitsbewegung oder auf einen Friedensprozess im Nahen Osten zunichte machen. Die zweite Option birgt für Israel und die Region kaum berechenbare Risken, sodass es am wünschenswertesten wäre, wenn der Staat der Shoah-Überlebenden eine derart dramatische Entscheidung erst gar nicht treffen müsste. Zumal nicht einzusehen ist, warum Israel sich den eminenten Gefahren eines Militärschlags aussetzen sollte um den Job für die mit Teheran verfeindeten arabischen Staaten und jene europäischen Regierungen zu erledigen, die das Nuklearprogramm durchaus als Bedrohung wahrnehmen, aber ihre guten Beziehungen zu Teheran nicht aufs Spiel setzen wollen.

Die Rede von Israel als dem “ Staat der Shoa-Überlebenden“ (Aluf Benn, übernehmen Sie!!!) klammere ich hier ausdrücklich aus. Ansonsten darf gelten: Vertausche Israel mit Iran bzw. israelisch/jüdisch mit iranisch… Was ich sagen will: Letztlich kommt es bei Autoren wie Grigat nicht so sehr darauf, für wen genau sie Partei ergreifen. Es ist die Qualität ihrer Solidarität, die seinen Standpunkt als recht beliebig erscheinen lässt. Grigat könnte sich mit derselben moralinsauren Haltung der Rettung des Zwerghamsters widmen, es würde letztlich keinen Unterschied machen. Letztlich mag es einem Stephan Grigat ohnehin um nichts Anderes gehen denn um Eigenwerbung, self-promotion, wie der Angelsachse zu sagen pflegt.

Alle, denen die Zukunft Israel-Palästinas am Herzen liegt, müssen sich abermals fragen: Braucht Israel solche Freunde? Nicht dass die Advokaten der vielbeschworenen palästinensischen Sache es besser machen würden: Die Sprecherin der Nahostkommission von Pax Christi, nicht wenigen Nahost-Interessierten bekannt als Super-Palästinenserin – obgleich aus Schwaben stammend – lanciert in aller Unschuld und per Email einen Aufruf des internationalen Sekretariats besagter katholischer Friedensbewegung mit der Überschrift: „Solidarität mit dem irakischen Volk„.

Den Aussichten auf Frieden in Israel-Palästina lassen sich gut an jenen ablesen, die behaupten, im Namen der einen oder anderen Seite zu sprechen – anstatt einfach mal Ruhe zu geben.

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