Stephen M. Walt über die Angelegenheit Goldstone

Stephen M. Walt
Stephen M. Walt

Stephen M. Walt, einer der beiden Autoren des so umstrittenen wie brillanten Werkes The Israel Lobby, äußert sich enttäuscht über US-amerikanische Reaktionen auf den Goldstone-Report. Freilich, so räumt Walt ein, hat auch er noch nicht Zeit gehabt, das Dokument in Gänze zu lesen, doch dies müsse wahrscheinlich auch gesagt werden über jene, die

– despite Goldstone’s impeccable credentials (former member of South Africa’s Constitutional Court and chief prosecutor of the International Criminal Tribunals for Bosnia and Rwanda) and his strong Zionist convictions –

ebendiesen  Goldstone so rasch und zügig abgeurteilt hätten.  Doch es ist gerade die Obama-Administration bzw. UN-Botschafterin Susan Rice, die nach Walts Dafürhalten ein schwaches Bild abgegeben haben:

Israeli PM Netanyahu hasn’t been doing Obama any favors of late, and the release of the report would have been a golden opportunity for Obama to play a little hardball and remind him that stiffing your principal patron has a price. And the Administration didn’t even have to endorse the report; all they had to do was refrain from criticizing it.

In other words, what if U.S. Ambassador to the U.N. Susan Rice had said something like this: „Richard Goldstone is a respected jurist with considerable experience on these issues, and the report contains disturbing information about the actions of both Hamas and Israel during the fighting last year. It deserves to be carefully read, because it demonstrates how important it is to achieve a lasting peace in the region and why the president is committed to that goal.“ The message to Netanyahu would have been clear: If you want diplomatic cover from us, we’ll need more cooperation from you than we’ve been getting.

Es scheint, als habe die Obama-Adminstration in der Angelegenheit Goldstone eine wertvolle Chance verpasst. Und aus Walts Beschreibung des Juristen Goldstone als einwandfreien Menschenrechtsexperten mit pro-israelischer Grundüberzeugung lässt sich ableiten: Mit der Dämonisierung Goldstones hat sich Israel bzw. hat sich die totalitäre Fraktion innerhalb des globalen Israel-Fanclubs ein fettes Eigentor geschossen. Diplomatisch und propagandistisch wird die Angelegenheit Goldstone für Israel ein immer größeres Desaster!

Die amerikanische Regierung muss endlich zusehen, dass die Euphorie ob der von Obama spätestens am 4. Juni in Kairo  proklamierten Wende in der US-Nahostpolitik nicht in abgrundtiefe Enttäuschung umschlägt.

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