Israel, Gaza und die Türkei – das Grauen der Gemäßigten

Zuerst hat es geheißen, die Türkei habe das mit Israel geplante Militärmanöver „Anatolian Eagle“ „bis auf Weiteres“ verschoben. Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei, Israels bestem Freund unter den islamisch geprägten Staaten, haben in letzter Zeit erheblich gelitten. Dies hat zu tun mit der Art und Weise des „Umgangs“ Israels mit den Palästinensern. Besonders in Erinnerung: Gaza – remember? Einige Raketen werden aus Gaza auf Sderot geschossen. Was folgt, nennt die israelische Armee Operation „Gegossenes Blei“, in deren Verlauf 1400 in überwiegendem Maße wehrlose Bewohner des Gaza-Streifens ermordet werden, u.a. unter Einsatz von white phosphorus. Nicht dass die im Gazastreifen herrschende Hamas gänzlich von Schuld freizusprechen wäre – die getöteten Israelis in und um Sderot sind ebenfalls Mordopfer. Aber all das aufzuzählen, hat für Richter Goldstone bekanntlich dazu geführt, dass die weltweite Israel-Fan-Bewegung einen neuen Lieblings-Hitler gefunden hatte.

Heute berichtet Ha’aretz, dass sich der türkische Ministerpräsident Erdogan zu der Thematik zu Wort gemeldet hat:

„People just watched from the comfort of their seats as phosphorus bombs rained on innocent children in Gaza,“ The Turkish agency Sabah quoted Erdogan as saying. „In international platforms, efforts ensued to blame Islam for Islamic terror.“

„… When phosphorus bombs were rained on innocent children in Gaza, the whole world, all of humanity, watched from their comfortable chairs and their safe havens,“ the Turkish prime minister said.

Wahre Worte, zumal die Reaktion von israelischer Seite mal wieder mehr als lachhaft ist: Die ehemalige Außenministerin Livni ordnet das Blutbad von Gaza in den Krieg des Westens gegen den Terror, nicht gegen die Palästinenser, ein und ermuntert die türkische Regierung, sich mal wieder einzukriegen und in den Kreis der Gemäßigten zurückzukehren.

In a message to the Turkish people, Livni urged Turkey to join the moderate elements in the region in the war on terror. The key issue facing the region today, said Livni, was the threat of extremism – not a bilateral crisis between Israel and Turkey.

Da hat die gute Tzipi nicht unrecht. Nur: Wer sind die Extremisten? Hamas steht hier nicht allein.  Extremisten sind doch all jene, die kein Problem damit haben, Tausende von Menschen umzubringen und dies im Einklang zu sehen mit einem höheren Gut – sei es irgendein Gott, sei es um den Weltfrieden willen, sei es im Dienste der Aufklärung, sei es, um die Demokratie zu verteidigen, sei es, um Terroristen zu bekämpfen – sei es, um der Welt zu demonstrieren: Wer auf der Seite der Gemäßigten steht, darf alles. Sogar Massenmorde begehen.

Aber eigentlich wissen wir das alles ja schon. Und so klingen Livnis Invektiven wie die Phrasen und Parolen aus alten Zeiten, als die Gemäßigten dieser Welt noch von einem Extremisten wie George W. Bush angeführt wurden.

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