„Tom und Jerry“ oder: Auch Palästinenser sind Menschen

[Allein meiner Harmoniesucht ist es geschuldet, dass der folgende Beitrag nicht den Titel: „Dreckschleuder in der Krise“ tragen muss…]

In seiner Autobiographie zitiert Sari Nusseibeh einen israelischen Regierungsbeamten, der sich 1982 gegenüber einem Ha’aretz-Journalisten äußerte:

Die Abwendung der Palästinenser vom Terror sei eine „Katastrophe“. Israel sähe es lieber, wenn sie „zu ihren früheren Taten zurückkehren, in aller Welt Bomben legen, jede Menge Flugzeuge entführen und viele Israelis töten würden.

Vielleicht wäre in heutiger Zeit noch in den Textabschnitt einzuarbeiten: „…, sowie möglichst viele Selbstmordattentate verüben würden.“ Der Pflege des Images der Palästinenser als Kollektiv antisemitischer Bluthunde hat sich Memri verschrieben. Die NZZ berichtet:

Die Israel nahestehende Organisation Memri (Middle East Media Research Institute) thematisiert auf ihrer Website die zahlreichen antijüdischen Botschaften in arabischen Fernsehkanälen. In Video-Ausschnitten kann man auch in englischen Untertiteln nachlesen, wie Irans Präsident jüngst erneut die historische Tatsache des Holocaust bestritt. Memri zeigt ferner, wie in Palästina der Fernsehkanal der Hamas, Al-Aksa-TV, versucht, die Kinder zu indoktrinieren und ihnen Selbstmordattentate schmackhaft zu machen.

In der Debatte um Muslime im Westen wird zuweilen auch auf diese Tatsache aufmerksam gemacht. Damit soll gezeigt werden, wie viel Zündstoff durch die Migration aus dem Nahen Osten in den Westen exportiert werden könnte und wie fern diese Einwanderer westlichen Werten stehen.

Doch ausgerechnet eine israelische Wissenschaftlerin, so heisst es dem Text weiter,  fällt „allen Ernstes“ (J. Cohen) den umtriebigen Heinzelmännchen in den Rücken:

Yael Warshel, Professorin an der American University in Washington, wirft einen etwas anderen Blick auf diese Fakten. Nachlesen kann man ihre Analyse im Fachorgan «Arab Media and Society». Warshel analysierte während zweieinhalb Jahren den Medienkonsum von Palästinensern. Sie kommt zum Schluss, dass die Kinder die Propaganda-Sender kaum oder gar nicht nutzen. Sie bevorzugen offenbar die amerikanischen, japanischen und panarabischen Fernsehkanäle.

Zu den Lieblingssendungen zählen etwa «Conan», «Sindibad»,[sic!] «Tarzan», «Pokeman», die Musikclips des saudischen Kanals Rotana oder Mitmach-Shows im Stil von «Music-Star». Wenn die Kinder zu ihrem Fernsehkonsum befragt wurden, nannten sie nie die Angebote des Märtyrer-Fernsehens. Den grössten Anklang finden die Katz-und-Maus-Spiele der US-Zeichentrickserie «Tom und Jerry».

Ein schlimmer Schlag für israelische Propaganda. Wissenschaftlich nachzuweisen, wie es Prof’in Warshel getan hat, dass sich Palästinenser bzw. ihre Kinder in ihrem Medienverhalten nicht  wesentlich von den Konsumenten anderer national definierter Kollektive unterscheiden, ist das eine.

Dies aber auf eine im NZZ-Artikel konstatierte Medienvielfalt, die es selbst unter Palästinensern zu geben scheint, zurückzuführen, mit anderen Worten im Grunde genommen Palästinensern ähnlich menschliche Züge nachzusagen  – dies als amti-israelische Hetze und Antisemitismus der schlümmsten und pürsten Sorte zu bezeichnen, wird sich, da bin ich sicher, irgendein Edel-Fan Israels bzw. Anti-Antisemit schon bald nicht mehr entblöden. Denn, so die NZZ:

Dort, wo Medienvielfalt besteht und die Menschen wählen können, was ihnen am meisten zusagt, scheint also Propaganda wenig Durchsetzungskraft zu haben.

Die Frage ist nun, welche und wessen  Propaganda gemeint ist…

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