Bravo, Joel Weiner!

Joel WeinerAm 22. Oktober sendete die BBC die in Großbritannien allseits bekannte Politikerbefragungsshow Question Time, die nach dem Prinzip funktioniert, „Eine Runde von Politikern und anderen MeinungsführerInnen steht einem dichtgedrängten Studiopublikum für die Beantwortung von dessen Fragen zur Verfügung“. Neben Tony Blairs einstigem Außenminister Jack Straw bevölkerte u.a. auch der Vorsitzende der rechtsextremen British National Party, Nick Griffin, das Plenum. Im Verlaufe der Sendung stand Griffin einige Male im Kreuzfeuer der Kritik für die rassistischen Positionen seiner Partei, die Zusammenarbeit der BNP mit Leuten wie David Duke und dem KKK, sowie für Aussagen, die Griffin im Studio zum Islam machte. Im folgenden Ausschnitt nach ca. 5: 30 Minuten kann Griffin dabei beobachtet werden, wie er einerseits Dinge über den Islam sagt, die sich exakt decken mit Äußerungen jener Broders, Schwarzers, Giordanos und Wilders, die u.a. unsere hiesige Debattenkultur zu dem gemacht haben, was sie ist. Der Islam behandele Frauen schlecht, und Großbritannien sei dabei, sich in einen islamischen Staat zu verwandeln etc.

Bereits vorher (nach 2:46 Minuten) wird Griffin aufgefordert, sich zu von ihm gemachten Aussagen zu äußern, entsprechend derer er den Holocaust für einen „Mythos“ halte. Griffins Antwort ist nicht der Rede wert. Sein zeitweiliger „Gesprächspartner“ aus dem Publikum ist hier der 17-jährige Joel Weiner, der zu Protokoll gibt, dass Mitglieder seiner Familie in Nazi-Konzentrationslagern gelitten haben. Ha’aretz hat mit Weiner gesprochen:

Israel and the Jewish people do not want the support of the British National Party, a British teenager who confronted the leader of the extreme-rightwing on a flagship BBC news show told Haaretz on Sunday.

„[Nick Griffin] said his party was the only party in the U.K. which backed Israel against Gaza in the war last year,“ said 17-year-old Joel Weiner. „In my opinion, the people of Israel and the Jews don’t want an ounce of his support.“

Weiner, whose father is a rabbi, prompted laughter at Griffin?s response to his question on Holocaust denial on the show, Question Time.

Wie war der Mittelteil? „In my opinion, the people of Israel and the Jews don’t want an ounce of his support.“ Eine wichtige Aussage, eine bedeutende Aussage. In diesem Blog wird über die gegenwärtigen Repräsentanten des Staates Israels und über deren Bewunderer und Advokaten oft Häme in großen Bottichen ausgeschüttet, dies, weil momentan der Eindruck sich immer mehr erhärtet, dass Israelsolidarität zwangsläufig einherzugehen habe mit antiarabischem Rassismus und Islamophobie. Wer Äußerungen zahlreicher „Islamkritiker“, seien es Prominente wie die oben genannten, sei es der anonyme Mob, seien es Blogger wie sie, sie oder ihn – muss zu diesem Ergebnis kommen.

Wenn dies die wahre Solidarität mit Israel sein soll, dann hat der Staat Israel wirklich ein fettes Problem. Und Leute wie Nick Griffin verschärfen die Krise noch: Wenn Solidarität mit Israel das Leugnen des Holocaust mit beinhalten darf, solange ein Bekenntnis zu Gunsten Israels unterm Strich steht, wird der von so vielen geführte Kampf gegen Rassismus und besonders auch Antisemitismus zu einer Travestie.
Und so braucht es einen 17-Jährigen, der uns daran erinnert: Israelsolidarität wird nur dann ihrem Namen gerecht, wenn sie ohne Rassismus und ohne Holocaustleugner wie Nick Griffin auskommt. Bravo, Joel Weiner!

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