IDF-Chef Ashkenazi „zu Gast bei Freunden“ – und keiner geht hin.

„Schade, einfach nur schade“ (Hape Kerkeling, ca. 1990), findet der anständige Journalist und Welt-Kolumnist Benjamin  Weinthal den Umstand, dass hiesige Medien den Besuch des israelischen Generalstabchefs Gabi Ashkenazi „ignoriert“ hätten. In der Jerusalem Post, Kampfblatt für anständigen Journalismus, macht Weinthal der ihrerseits allseits verdutzten Leserschaft ein Deutungsangebot:

German media’s ignoring of IDF Chief of General Staff Lt.-Gen. Gabi Ashkenazi’s visit to Germany is a sign of the internal contradictions of the so-called German-Israeli „special relationship.“

Mit anderen Worten: Hiesige Leitmedien versündigen sich an ihrer eigenen Staatsräson:

While Chancellor Angela Merkel has repeatedly stressed that Iran’s calls to obliterate Israel are a dire threat to the existence of the Jewish state, many German media outlets write that Iran’s statements are empty political rhetoric or the result of faulty translation.

Und große Teile der Bevölkerung machen dabei auch noch mit:

A Forsa Institute poll earlier this year showed that during the IDF’s Operation Cast Lead in Gaza, roughly 50 percent of Germans considered Israel to be an „aggressive state.“

Unfassbier… Und wer trägt  Schuld daran? Klar: Die Linke mit ihrem Pazifismus. Und so tanzt uns  Weinthal den Heiner Geißler zu dessen schürfsten Zeiten:

A radical pacifist culture that developed after the defeat of Nazi Germany coupled with anti-Israeli sentiments because of contemporary anti-Semitism plays a role in the failure to understand Israel’s security interests. The left-leaning Die Tageszeitung daily devoted a two-page interview in mid-October with a young Israeli who refused to serve in the IDF.

Israels Sicherheitsbedürfnisse nicht nur nicht zu betonen, sondern auch noch jüdische Verweigerer des Dienstes in der gloreichen israelischen Armee zu bevorzugen, das ist nichts anderes als – richtig geraten-… aber das spricht Weinthal nicht aus. Lassen wir den Mann nochmals zu Wort kommen:

Jews who flex their military muscles and are prepared to defend themselves are not a terribly attractive topic for many Germans who harbor a post-WWII aversion against the military and stick to a distorted, prejudicial view of Jews as a bunch of bookworms.

Was daran so problematisch ist, dass man Bücherwürmer generell – ob  jüdisch oder nicht – sympathischer findet als Soldaten, das wusste nicht einmal Kurt Tucholsky. Scherz beiseite:, Weinthal liefert einige wesentliche Ingredienzen der  zeitgenössichen Israelsolidaritätsrezeptur:

  • Die taz ist links. (Soso…) Linke sind Antisemiten. Besonders schlümm sind israelische Linke und Kriegsdienstverweigerer. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang gern an eine Begegnung, die wir1990 mit einem damals frisch aus dem Amt entlassenen DDR-Grenzsoldaten bei Ratzeburg hatten. Sein Feindbild: „Kirchgänger und Kriegsdienstverweigerer.“
  • Wer gegen nicht wegen des zionistischen Militarismus, repräsentiert u.a. durch einen Gabi Ashkenazi, nicht in Begeisterung ausbricht, ist ein Antizionist. Und Antizionisten sind ja per se Antisemiten.
  • Freie Meinungsäußerung ist nur dann begrüßenswert, wenn sie sich der Maxime „Juhu Israel“ tausendprozentig verpflichtet zeigt. Da hat die Merkelregierung noch einiges vor sich. Diese linken Medien, die auch nichts anderes tun als linke jüdische Antisemiten zu interviewen, sollten sich mal warm anziehen.

Ich will „unsere“ Medien keinesfalls in Schutz nehmen, aber sie sind doch sehr nett mit General Ashkenazi umgesprungen und haben nicht seinen Beitrag zum Blutbad in Gaza näher thematisiert, sondern sich in relativ vornehmer Zurückhaltung geübt.

Welche Lektion in Super-Totalitarismus will Weinthal „uns“ hier erteilen? Keine Ahnung, sein Artikel besteht aus nichts anderem als der Aufbereitung alter, sattsam bekannter Klischees und Plattheiten. Möglicherweise grämt es den Superzionisten, dass niemand über Askenazi ein Wort zu verliert, weil er nicht seinem liebstem Hobby und Broterwerb nachgehen kann: Antisemitismusverdachtsmomente äußern.

Man muss nicht zur wutschnaubenden Fraktion eines Herrn Watzal gehören, um Weinthals Oeuvre zumindest in Passagen merkwürdig zu finden. Was Kay Sokolowsky in seinem neuesten Buch Feindbild Moslem über Islam-Hasser schreibt, darf sich auch der selbst ernannte Ant-Antisemit Weinthal ins Stammbuch eintragen lassen:

Nur Mißtrauen, Myopie und eine psychotische Unfähigkeit, den Pluralismus, der sowohl die Demokratie als auch ihre Medien auszeichnen sollte, zu ertragen, wenn er mal stattfindet. Sie hassen die abweichende Meinung, weil sie alle Meinungen, die ihrer nicht gleichen, fürchten – so unsicher sind sie sich der Stichhaltigkeit ihrer Überzeugungen. Sie verachten jedes Argument, das ihnen widerspricht, weil sie den Streit über Argumente generell nicht ertragen. Hält man sie dazu an, nachzudenken, unterstellen sie dem Mahner, er wolle sie verwirren. Ertappt man sie bei Denkfehlern, halten sie sich für Märtyrer des Gedankens. Erkennt einer ihre rassistische Gesinnung und nennt die Sache beim Namen, verschreien sie ihn als Faschisten. Es sind Leute von allermiserabelstem geistigen Zuschnitt.

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