Von Berlin nach Palästina: Mauerspecht ist nicht gleich Mauerspecht…

Same shit, different article…

Vor zwanzig Jahren fiel in Berlin der „antifaschistische Schutzwall“, der laut DDR-Propaganda das Eindringen faschistischer Elemente in die Hauptstadt des Arbeiter- und Bauernstaates verhindern sollte. Als die Mauer bröckelte, erinnerten sich alle der Worte, die Ronald Reagans spin doctors dem amerikanischen Präsidenten dereinst in den Mund gelegt hatten: „Mr Gorbatshev, tear down that wall!“ Wieviel Propaganda und PR-Show um 1989/1990 im Spiel war, als sich niemand zu doof war, die Scorpions und David Hasselhoff tränenselig zu bejubeln, zeigt sich u.a. in der Art und Weise, wie 20 Jahre nach besagtem und umjubeltem Mauerfall im herrschenden Meinungsdiskurs „unserer“ Leitmedien mit der israelischen Trennungsmauer in Palästina umgegangen wird.

Schreibt der Focus:

Wenige Tage vor dem Jubiläum zum Fall der Berliner Mauer haben vermummte palästinensische Jugendliche versucht, ein Element aus der israelischen Sperrmauer zum Westjordanland herauszubrechen. „Egal wie hoch sie auch sind, alle Mauern werden fallen“, stand auf einem Plakat, das die Jugendlichen am Freitag an das Mauerstück geklebt hatten.

Unfassbar! Wo doch alle wissen: Historische Vergleiche solcher Art darf nur anstellen, wer sich zweifelsfrei als Angehöriger der Betonkopffraktion unter den Israel-Fans dieser Welt zählen darf. Fast wäre es den Demonstranten gelungen, ein Stück der Mauer zu zerstören. Aber israelisches Tränengas, im Verein mit Stinkbomben, wussten, das Schlümmste zu verhindern:

Israelische Grenzsoldaten gingen mit Tränen- und Faulgas gegen die Palästinenser vor. Diese hatten das sechs Meter hohe Mauerstück mit einem hydraulischen Wagenheber aus seiner Verankerung gebrochen, schafften es aber nicht, das Element umzukippen. Als Grenzsoldaten vorstürmten, um die Lücke zu schließen, stoben die Jugendlichen auseinander.

Und wer immer noch nicht begreifen will, wie es mit der einzig denkbaren Wirklichkeit rund um die Mauer in Israel bestellt ist, für den bietet Focus einen Service der besonderen Art – die offizielle Wahrheit in einem Absatz, bedrohte Israelis und blutrünstige Araber inklusive.

Israel hat die Mauer zum palästinensischen Westjordanland errichtet, um das Eindringen von Selbstmordattentätern zu verhindern. An vielen Stellen der Mauer gibt es jeden Freitag gewaltsame Proteste gegen die Mauer. Dabei feuern israelische Polizisten und Grenzsoldaten regelmäßig neben Tränengas auch Gummigeschosse gegen steinewerfenden Palästinenser ab.

Ein kurzer Einschub wie „nach israelischer Lesart“ oder „aus der israelischen Sicht“ hätte manchen Schaden beheben können!

Wie sagte Theo Zwanziger sinngemäß: Man darf sich  nicht zurücklehnen… Jetzt schon. Danke, Focus.

Zusatz: Eine solche Berichterstattung, wie sie exemplarisch und in aller Selbstverständlichkeit (nicht nur) vom Focus betrieben wird, straft zudem auch all jene Lügen, die behaupten, das offizielle Deutschland mit seinen Haus- und Hoforganen der veröffentlichten Meinung würden im Einsturz der Berliner Mauer etwas Anderes sehen als den Sieg des Kapitalismus‘ nordatlantischer Ausprägung bzw. ein deutsches Wiedererweckungsereignis.

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