Liegt den USA noch etwas an ihrem eigenen Nahostfriedensprozess?

Was Obama und Amerikas Lieblingspalästinenser PA-Minsterpräsident Fayyad, nach Tom Friedman der Gründer, ja Stifter, des sog. „Fayyadismus“ im Schilde führen, man weiss es nicht – wird es in Bälde zur Ausrufung eines Staates Palästina kommen – oder nicht? Wir werden sehen. Der Sanktnimmerleinstag – vielleicht steht er uns unmittelbar bevor. Jedenfalls äußert sich Roni Ben Efrat, treibende Kraft hinter dem sehr empfehlenswerten, in Tel Aviv beheimateten Magazin Challenge, auf ähnliche Weise über Abbas wie der Betreiber dieses Blogs:

In the light of all this, we should view Abu Mazen’s threat to resign as a message to all interested parties: The game is over! Sixteen years of a sterile process must end now! I am not going to be led down the garden path by the Israelis and the Americans, I am not going to yield to their demands, and therefore I proclaim my withdrawal from the game. He confronts the sides with an ultimatum: The PA in its present form has outlived its purpose. Either it becomes an independent state orfinis.

Ich bin übrigens manchmal doch erstaunt, wie ähnlich sich die englische und die deutsche Sprache sind. Ben Efrats Artikel trägt die Überschrift „Abu Mazen Throws the Towel“ – schmeißt das Handtuch… Fest steht. Sollten die USA noch interessiert sein an dem von ihnen selbst gesponsorten Nahostfriedensprozess, dann haben sie in der letzten Zeit massiven Bullshit betrieben:

  • Präsident Obama rückt ab von der Forderung, die Israelis mögen ihr Siedlungs(un)wesen einfrieren.
  • Die USA drängen Abu Mazen, den Goldstone Report auf eine ihnen genehme Weise (nicht) zur Kenntnis zu nehmen.
  • Außenministerin Hillary „The Wall“ Clinton preist Bibi Netanyahu für seine unglaubliche, von einer Sehnsucht nach Frieden befruchteten, Weitsicht, Siedlungen in Westbank und – nicht vergessen! – Ostjerusalem mit nicht gar so hohem Tempo zu erweitern wie bisher.

Und nun geht Abu Mazen. Peng. Haben Obama, Clinton und Co. nichts gelernt? Oder etwa ihr wahres Gesicht gezeigt? Man weiß es nicht. Nach wie vor. Vielleicht könnte man oben genanntem Thomas Friedman zustimmen:

It is obvious that this Israeli government believes it can have peace with the Palestinians and keep the West Bank, this Palestinian Authority can’t decide whether to reconcile with the Jewish state or criminalize it, and Hamas leadership would rather let Palestinians live forever in the hellish squalor that is Gaza than give up its crazy fantasy of an Islamic Republic in Palestine.

Das Problem bei Friedman. Er argumentiert aus der Perspektive des enttäuschten Mäzenen, dessen Schützlinge sich seiner nicht würdig erwiesen haben. Israelis und Palästinenser scheinen in der Tat die Schmerzgrenze noch immer nicht erreicht zu haben – da hat Friedman nicht unrecht:

If the status quo is this tolerable for the parties, then I say, let them enjoy it. I don’t want to subsidize it or anesthetize it anymore. If and when they get serious, they’ll find us. And when they do, we should put a detailed U.S. plan for a two-state solution, with borders, on the table. Let’s fight about something big.

Der Endabschnitt des Zitats lässt mich auf eine andere Art und Weise über Schmerzgrenzen nachdenken:  Was ist aber mit der Schmerzgrenze von Amerikanern? Ziemlich arrogant, wenn nicht gar verblendet, kommt es mir vor, wenn Friedman seinen Lesern weismachen will, Israelis und Palästinenser sollten sich die USA zum Vorbild nehmen und ihnen vom Gipfel aus zuruft: „Call us when you’re serious about peace“. Über die Frage, mit was für einer Art von Frieden es Israelis und Palästinensern ernst meinen sollen, brauche ich sicher nicht einzugehen, oder? und noch etwas: Was ist der Schmerzgrenze derer, die Friedmans Texte lesen und ihn für einen fähigen Journalisten und originellen Denker halten?

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