Brüskierte „Friedensmacht“ USA: hilflos und egozentrisch

Gilo, nicht "Vorort", nicht "Viertel", sondern Siedlung und Teil der matrix of control

Stephen M. Walt spricht von Kapitulation – die Reaktion der US-Regierung vergangene Woche auf die Entscheidung der israelischen Regierung, 900 neue Wohneinheiten in Ostjerusalem bauen zu lassen, verrät in der Tat ein nicht unbeträchtliches Maß an Hilflosigkeit auf Seiten der Obama Administration:

Yesterday Israel approved the construction of 900 new housing units in East Jerusalem. The White House said it was „dismayed,“ declared that „these actions make it more difficult to our efforts to succeed“ (duhhh, that’s the idea!) and reiterated its belief that the status of Jerusalem should be resolved through negotiation.

Die ach so bestürzte US-Regierung wirkt angesichts solcher Reaktionen nicht nur hilflos, sondern auch atemberaubend egozentrisch. Als ob es in Israel-Palästina nicht um Anderes ginge als darum, die USA als Heils- , weil Friedensbringer darzustellen!

Die selbsternannte Friedensmacht präsentiert sich zudem, so Walt, auf bestürzende Weise mutlos:

Fundamentally, the issue is the Obama administration’s having allowed itself to be completely intimidated by the domestic political implications of challenging those aspects of Israeli policy that serve no American interest and complicate our relations with many foreign countries. The administration appears to accept the logic that any disagreement with Israel will be interpreted in the United States as the administration’s fault, and will put its foreign and domestic priorities at risk.

Wenn in hiesigen Medien davon die Rede ist, Israel „brüskiere“ mit seinem Verhalten die USA, so wird deutlich: Das ist nur möglich, weil die USA ihrerseits scheinbar alles unternimmt, um Israel nicht zu brüskieren.

Auf SpOn wird die Siedlung Gilo als „jüdischer Vorort“ (von was? Jerusalem? Bethlehem? Ostjerusalem?) bezeichnet, im Deutschlandfunk praktizierte man zuletzt eine ähnliche Sprachregelung. Über Gilo, Pisgat Zeev und andere Siedlungen, die Teil der von Jeff Halper als solche bezeichneten matrix of control um „Groß-Jerusalem“ herum sind,  spricht man zudem oft nur noch in Bezugnahme auf sog. „Satellitenstädte“. Als ginge es ausschließlich um die Aushandlung architektonischer Probleme! Und da wundert es einen noch, wenn einem der Nahostkonflikt als undurchdringliches Dickicht und nicht verstehbares Mysterium erscheint – erscheinen soll?

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