Islamfeindschaft und das „Verschleiern“ der Realität

Kay Sokolowskys Buch Feindbild Moslem ist sehr zu empfehlen, wenn man/frau sich interessieren mag für die „Argumente“ der Hauptakteure innerhalb eines sich zivilisiert und den Grundsätzen und Werten von Demokratie und Menschenrechten verpflichtet gebenden Rassismus gegen alles und jeden, der bzw. die sich als Mensch mit muslimischen Glaubensüberzeugungen erkennen lässt. Wer Sokolowskys Abrechnungen mit Broder, Giordano, Ates und Kelek liest, erkennt darin eine Abgrenzung eines eigentlich Verbündeten von seinen zu extremistisch gewordenen Glaubensgeschwistern. Islamkritik ja, aber nicht als Soundtrack für Rassisten wie PI. Besonders auffällig auch, wie Sokolowsky einigen der genannten Personen deren vorgebliche Israel-Solidarität streitig zu mchen sucht, indem er sich bzw. Israel mit Hilfe des später im Buch zu Wort kommenden Wolfgang Benz gegen sie verteidigt. Sokolowsky geht davon aus, dass Israel der Solidarität der Anti-Islamisten gleich welcher Provenienz nicht bedarf. Dabei scheint er zu übersehen, wie bewusst von israelischer Seite aus seit Jahrzehnten der Schulterschluss mit Fundamentalisten und Anti-Islamisten geübt wird. Vom Verkauf diverser Parzellen am See Genezareth an israel-wütige Endzeit-Christen, über die Kooperation mit „christlichen“ Zionisten bis hin zur Weigerung, sich gegen die sehr öffentliche Umarmung durch Rassisten vom Schlage eines Geert Wilders.Von den vermeintlich Anti-Deutschen ganz zu schweigen!

Natürlich sollte Israel nicht angewiesen sein auf die Solidarität genannter „Freunde“. Die Realität indes sieht anders aus, so dass hierzulande selbst ein Wolfgang Benz  ins Fadenkreuz der Anti-Antisemiten gerät.

Zur gesellschaftlichen Verankerung antimuslimischer Ressentiments hierzulande schrieb vor einiger Zeit der Betreiber des Outnumber-Blogs:

Es ist beschämend, wenn unsere Demokratie für Frauen ein Umfeld schafft, in der ihr Glaube verachtet wird und sie durch Gesetze und Medienarbeit gezwungen werden, das Tuch abzunehmen. Die öffentliche Schein-Diskussion verdeutlicht vor allem, die Unfähigkeit, die Frauen und ihre Kultur zu verstehen, andere Perspektiven zu akzeptieren und diese als gleichwertig anzuerkennen. Die scheinheilige Debatte gegen die Unterwerfung der Frau wird auf dem Rücken der Frauen getragen. Sie werden benutzt, um Stimmungen zu erzeugen. Das Perverse an der Debatte ist, dass jene, die Kopftuch tragen, erst als unterdrückte, unselbständige, unintegrierte, mehr oder weniger implizit als unintelligente Frauen stigmatisiert werden, und dann unter Zugzwang gesetzt werden, all diese Zuschreibungen loszuwerden, in dem sie ihr Tuch ablegen. Ein Stück Stoff wird durch die ganze Diskussion erst zum Symbol stilisiert. Ohne Zweifel gibt es auf der Welt, wie speziell in Deutschland, viele Frauen, die unterdrückt werden. Sei es im Elternhaus, im Eheleben oder in der Arbeitswelt könnten deutsche nicht-kopftuchtragende Frauen so einige Erfahrungen berichten, würde man sich nur ernsthaft dafür interessieren. Die Unterdrückung von Frauen oder anderen Gruppen ist ein Fakt, das Kopftuch jedoch ist dafür kein Kriterium. Begriffe und Konnotationen rund um das Kopftuch werden bewusst geprägt, es ist ein gewollter Prozess. Und es ist eine uralte Erkenntnis, dass sich für alle Überzeugungen auch genügend Argumente (er)finden lassen. Wenn also verschiedene prominente Personen oder die Medien diesen Zusammenhang herstellen wollen, so verschleiern sie nur die Realität und unterlassen es, für Frauen, mit welcher Bekleidung auch immer, etwas zu tun.

Gerade der letzte Satz ist schön… „verschleiern“…kicher

Die hier beschriebene Perversion wird von Sokolowsky auf überzeugende Weise ergänzt und unterstützt. Ein gutes Buch.

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